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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
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8. 401.

DaS Zeitalter Ludwigs LIV.

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«. De»-1842 .

Richelieus Fall zu bewirken suchten, mußten das Land verlassen und des OrleansVertrauter Freund, Heinrich Herzog von Montmorenci, der Sprosse eines derglorreichsten Geschlechter Frankreichs, starb zu Toulouse durch die Hand des Scharf-richters. Ein ähnliches Schicksal traf den Marschall Marillac und einige JahreMter den Grafen von Cinq-Mars und seinen Vertrauten de Thon, als sie inVerbindung mit der Königin und vielen Edlen eine Verschwörung gegen den mäch-tigen Kardinal bildeten. Zur Erforschung der Stimmungen und Zustände im In-nern und Äußern bediente sich Richelieu des Kapuziners Pater Joseph, dessenstrenge Außenseite einen feinen Verstand und diplomatische Gewandtheit verbarg.

Die Parlamente, die obersten Steuer- und Gerichtshöfe, die gleich dem König aufUnabhängige Machtvollkommenheit (Souveränität) Anspruch machten, weil ihrestellen erblich waren, wurden durch Aufstellung außerordentlicher Gerichts-höfe, die hohen Beamten in den Provinzen durch Einführung königlicher Inten-danten, die bloß von der Regierung abhängig waren, beschränkt und geschwächt.

8 - 401. Im Jahre 1642 starb Richelieu, gehaßt und gefürchtet von AdelUnd Volk, aber bewundert von Mit- und Nachwelt; Ludwig XIII., ein Fürstuhnc große Tugenden und Laster, abhängig von jedem, der sich seine Gunst zu ». M-aerwerben oder sich ihm furchtbar zu machen wußte, folgte ihm bald nach.

Ais zur Volljährigkeit seines Sohnes, Ludwigs XIV., übernahm nunmehr die LudwigKönigin Anna von Österreich, die stolze herrschsüchtige Schwester des- i««»-uigs von Spanien, die vormundschaftliche Regierung. Da sie aber ihr ganzesAertrauen dem Italiener Mazarin, dem Erben von Richelieus Amt undGrundsätzen, zuwandte, so fand sie an dem Adel und dem Parlamente, diechre frühere Macht und Stellung wieder zu erlangen strebten, heftige Wider-sacher. Das Volk, in der Hoffnung, von feiner schweren Steuerlast erleichtert!u werden, und geleitet von dem gewandten, geistreichen Kardinal von Netz, tratuuf Seite der Widerstandspartei, um den Hof zur Entfernung Mazarins und zurAnnahme anderer Regierunqsmaßregeln zu zwingen. Daraus gestaltete sich einMtiger bürgerlicher Kampf, der als Krieg der Fronde in der Geschichte be-tont ist. Mazarin mußte auf einige Zeit das Land verlassen, allein so un-^Ichütterlich war die Gunst und das Vertrauen der Königin, daß er von KölnMs Frankreich ebenso unbedingt regierte, wie vorher in Paris. Seine Ver-bannung dauerte jedoch nicht lange. Nachdem Ludwig XIV. die Jahre der^viglichen Mündigkeit erreicht, und Turenne, der Anführer der königlichenGruppen, in der Vorstadt St. Antoine seinen Gegner, den großen Condä,

Welcher die Aufständischen befehligte, besiegt hatte, kehrte Mazarin triumphie-Aad zurück. Sein feierlicher Einzug in Paris war das Zeichen, daß die un-Mchränkte Königsmacht gesiegt habe, und daß der Wille des MonarchenWrder als Gesetz gelte. Noch sechs Jahre genoß Mazarin des größten An-Mens in Frankreich und Europa; der Kardinal von Netz, der geistreiche"Verfasser der Denkwürdigkeiten über diesen Krieg, mußte sein VaterlandT^wen, nachdem er zuvor im Kerker von Vincennes für sein unruhiges Treiben

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1848 -

16S8.

1881.

it; Condö mußte nach tapfern, aber fruchtlosen Kämpfen m Spanien

"0s inner Guter gewahrte; Mazarins Nichten, Italienerinnen ohne StandKamen, wurden mit den Reichtümern Frankreichs ausgestattet und vonl " ersten Edelleuten als Gemahlinnen gesucht; die Mitglieoer des Par-im fügten sich ohne Widerrede den höhern Weisungen, seitdem der Königdv ^eiadanzug Mit Stiefeln und Reitpeitsche vor ihnen erschienen war undIns Gehorsam verlangt hatte. Nunmehr konnte Ludwig XIV. den Grund-riß nnuheu:der Staat bin ich!" (I'ötat e'ost moi). Der Pyre- 7 . §lsche Friede mit Svanien war Mazarins letztes Werk. Bald darauf starb

Nov.

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