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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
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Die neue Zeit. 8- 402. 403.

er mit Hinterlassung eines unermeßlichen Vermögens, wertvoller Bücher und1iW? Kunstwerke, herrlicher Paläste und Gärten. Sein Tod trat in dem Augen-blick ein, als Ludwig seiner überdrüssig zu werden anfing und sich sehnte, dreZügel der Herrschaft in die eigene starke Hand zu nehmen. Das Glück, das chnim ganzen Leben begleitet hatte, verließ ihn auch nicht in der Stunde des Todes.

d) Ludwigs XIV. Regierung und Eroberungskriege.

tz. 402. Nach Mazarins Tod ernannte Ludwig XIV., in welchem diekönigliche Allgewalt den höchsten Gipfel erreichte, keinen leitenden Ministermehr, sondern umgab sich mit Männern, die nur seinen Willen vollzogen undkein höheres Ziel kannten, als des Königs Ruhm, Ehre und Glanz zu mehrenund zu verbreiten. Bei der Wahl dieser Männer zeigte Ludwig Einsicht undHerrschergaben. Sowohl seine Minister, besonders Colbert, der große För-derer der französischen Betriebsamkeit, des Fabrikwesens und des Handels, alsseine Feldherren, Turenne, Conds, Luxemburg und der Festungsbau-meister Vauban, übertrafen an Talent, Kenntnissen und Geschicklichkeit dieStaats- und Kriegsmänner aller andern Völker ebenso sehr, wie Ludwig XIV-selbst an Herrschergröße, gebieterischem Wesen und königlichem Anstand überalle Fürsten seiner Zeit hervorragte. Er bewirkte, daß das Zeitalter Lud-wigs XIV. als der Glanzpunkt in der französischen Geschichte dasteht, unddaß der Hof von Versailles, wohin die königliche Residenz verlegt ward,als Muster des Geschmacks, der feinen Bildung, der vornehmen Lebensweiseallenthalben gepriesen und bewundert wurde; da er aber nur auf Befriedi-gung seiner Eigenliebe, seiner Genußsucht, seines Stolzes, seinerPracht- und Ruhmbegierde bedacht war, so wurde seine Regierung dasGrab der Freiheit, der Sittlichkeit, der Charakterfestigkeit und der männlichenGesinnung. Hosgunst war das Ziel aller Bestrebungen und Schmeichelei dersicherste Weg, dreselbe zu erlangen; Tugend und Verdienst fanden wenigAnerkennung.

8- 403. Ludwig XIV. wünschte seinen Namen mit Kriegsruhm zu ver-sSÄeg herrlichen und sein Reich zu vergrößern. Er benutzte daher den Tod des spa-w67- nischen Königs Philipp IV., um, mittels Übertragung einer Bestimmung des' niederländischen Privaterbrechts auf politisch-staatsrechtliches Gebiet, alsGemahl von dessen Tochter Erbansprüche zu erheben und mit Heeresmacht indie spanischen Niederlande einzufallen. Durch den Dreimächtebund vonEngland, Holland und Schweden wurde er zwar nach einem kurzen Feldzugegezwungen, in dem Frieden von Aachen das Eroberte größtenteils wiederherauszugeben, doch blieben eine Anzahl flandrischer Grenzstädte bei Frank-reich und wurden von Vauban zu unüberwindlichen Festungen gemacht. Dader Siegeslauf des stolzen Königs hauptsächlich auf Betreiben der RepublikHolland gehemmt worden war, so traf sie die Rache des französischen Macht-habers. Er brachte Schweden auf seine Seite, erkaufte sich die Freundschaftdes englischen Königs Karl II. (8- 397) durch Jahrgelder und Mätressen,schloß mit dem Kurfürsten von Köln und dem Bischof von Münster einenH^ländi- Bund. So von allen Seiten gerüstet und gedeckt, begann Ludwig einen zweiten1672-Krieg, der anfangs nur gegen Holland gerichtet war, in den aber währendIsis. seimr siebenjährigen Dauer fast alle europäischen Staaten verflochten wurden-Nach dem berühmten Übergang über den Rhein bei Tolhuis (Zollhaus)drang das französische Heer in raschem Siegeslauf in das Herz der General-staaten. Da war Holland in Not. Die Republikaner, die bisher mit großer»Ruhm das holländische Staatswesen geleitet, waren mehr auf Hebung derSeemacht, als aus Erhaltung und Mehrung der Landheere bedacht gewesen;