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Das Zeitalter Ludwigs XIV.
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Wilhelm
III.
1672-
1702.
Ae hatten sie das stattliche, von den ausgezeichnetsten Feldherren geführteHeer besiegen können? Lüttich, Utrecht, Ober-Assel fielen in die Händeder Feinde; französische Dragoner streiften bereits in die Provinz Hollandund näherten sich der Hauptstadt auf zwei Meilen^ die erschreckten Republi-kaner baten demütig um Frieden, wurden jedoch mcht erhört. Jetzt erkannteder gährende Volksgeist mit fürchterlichem Instinkte den Weg der Rettungund betrat ihn ohne Zögern. Während nämlich die französischen Heere sichAlt der Belagerung der holländischen Festungen zu lange aufhielten, wurdenM Republikaner, denen man das ganze Unglück zuschrieb, von der oranischen^olkspartei gestürzt, ihre Häupter Johann und Cornelius de Witt inden Straßen der Hauptstadt ermordet und dann die Regierung dem klugen,kriegskundigen Statthalter Wilhelm III. von Oranien übergeben. DieserAusgezeichnete Feldherr weckte Mut und vaterländische Begeisterung in denHolländern; sie durchstachen die Dämme und machten ihr überschwemmtesLand den Franzosen unnahbar; die Mauern von Groningen trotzten allenAngriffen der Feinde, und des Marschalls von Luxemburg kühner Marschgegen Amsterdam auf den gefrorenen Gewässern wurde durch plötzlich ein-uetendes Tauwetter vereitelt. Diese und andere Umstände retteten Holland.Denn als nunmehr der große Kurfürst von Brandenburg, FriedrichWilhelm, den Holländern zu Hilfe kam und auch den Kaiser Leopold zurTeilnahme an dem Kriege brachte, mußten die Franzosen ihre Streitkräftekeilen und ihre Hauptmacht an den Rhein schicken. Bald traten auch Spa-kien und das deutsche Reich dem Krieg gegen Frankreich bei.
Z. 404. Mit der Zahl der Feinde wuchs auch die kriegerische Kraft derFranzosen. Turenne setzte nach barbarischer Verwüstung der pfälzischenLande über den Rhein und drang sengend und brennend in Franken ein. Diedeutschen Fürsten waren uneinig; der kaiserliche Kriegsminister stand in Lud-wigs Sold und verriet den Feinden die Feldzugspläne, dicösterreichischen Feld-herren waren unfähig oder, wie Montecuccöli, in Ungarn beschäftigt. Hättewcht der große Kurfürst die deutsche Kriegsehre gerettet, so wäre Frank-reichs Triumph vollständig geworden. Um diesen zum Abzug von der Rhein-awiee zu zwingen, hatte nämlich Ludwig XIV. die Schweden, seine Ver-bündeten, zum Einfall in die Mark Brandenburg bewogen. Ehe dieselbenaber sich eines Angriffs versahen, erschien der thatkräftige Friedrich Wilhelm
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28. Juni1678.
überraschten Schweden eine schwere Niederlage bei. Diese Schlacht legte denGrund zu Preußens Größe. Einen Monat später wurde Turenne, dergrößte Feldherr seiner Zeit, bei Saßbach von einer Kanonenkugel getötet 27. Juli.und der Feind gezwungen, sich über den Rhein zu ziehen. Aber noch über dreiFahre dauerte der Krieg, der besonders den Ländern an der Mosel und Saar,wo die Franzosen fürchterliche Verwüstungen anrichteten, verderblich wurde.
^kst als das englische Parlament drohend verlangte, daß die Regierung vonBunde mit Frankreich abstehe und die Holländer unterstütze, beschloßLudwig dem Krieg ein Ende zu machen. Klug wußte aber die französischeUaatskunst die Gegner zu trennen, damit ihr König als Gebieter auftretenkönne. In dem Frieden von Nymwegen bekamen die Holländer, die mittler-welle dem tapfern Wilhelm von Oranien die Statthalterschaft alsÜbliche Würde feines Mannstamms verliehen, alle verlorenen Länder undStädte zurück; dagegen mußte Spanien an Frankreich die burgundische^keigrafschaft (Franche Comtö) und alle in der Linie von Valenciennesund Maubeuge liegenden festen Orte abtreten, das deutsche Reich
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