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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
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Die neue Zeit.

§. 405 . 406 .

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verlor nicht nur die Stadt Freiburg im Breisgau. sondern mußte sich auchdie größten Demütigungen gefallen lassen. Das zu Deutschland gehörige Her-zogtum Lothringen, welches die Franzosen im Anfang des Krieges in Besitzgenommen, wurde dem in österreichischen Diensten stehenden Herzog unter soentehrenden Bedingungen zurückgegeben, daß dieser vorzog, es noch länger inden Händen der Feinde zu lassen, und der große Kurfürst sah sich gezwungen,alle mit so vieler Anstrengung eroberten Landschaften und Städte in Pom-mern den Schweden wieder abzutreten. Mit der drohenden Weissagung, daßeinst ein Rächer aus seinen Lenden hervorgehen werde, fügte sich der hochherzigeFürst in die harte Notwendigkeit.

Z. 405. Die furchtsame Nachgiebigkeit der deutschen Fürsten steigerteLudwigs XIV. Übermut und Vergrößerungssucht. Er stellte die Behauptungauf. eine Anzahl Ortschaften und Gebietstelle, die in früheren Zeiten zu denim westfälischen und Nhmweger Frieden an Frankreich gefallenen Landschaftenund Städten gehört hätten, seien in die Abtretung Inbegriffen. Um diese zuermitteln, errichtete er in Metz und Breisach sogenannte Reuuions-kammern und riß, auf deren Aussprüche gestützt, eine Menge Städte, Flecken,Dörfer, Burgen, Mühlen, ja ganze Landstriche aus dem linkm Rheinufer ansich. Der gute Erfolg machte den französischen Gebieter immer kühner, so daßer zuletzt mitten im Frieden die freie Stadt Stratzburg dem deutschesReiche entriß. Der verräterische Bischof Franz Egon von Fürstenberg wasbei der Überraschung und Besetzung behilflich. Die einst freie Bürgerschaftmußte nach ihrer Entwaffnung dem fremden Machthaber knieend den Unter-thaneneid leisten; das Münster, die Zierde deutscher Baukunst, wurde deMkatholischen Gottesdienst übergeben und das Zeughaus geleert. Auch inItalien hatten Mailand und Genua unter den Gewaltthätigkeiten desKönigs zu leiden. Und statt mit vereinten Kräften den Übermut zu strafen,schlössen Österreich, Spanien und das deutsche Reich mit dem Machthaber zuRegensburg einen zwanzigjährigen Waffenstillstand, worin allereunierten" und geraubten Gebiete und Ortschaften, mit Einschluß der kurzzuvor eroberten Festung Luxemburg, dem Gegner überlassen wurden mitder einzigen Bedingung, daß die Reunionen nunmebr eingestellt und diefranzösischen Hoheitsrechte nicht weiter ausgedehnt würden. So lag die Westvor Frankreich in Schrecken gefesselt.

v) Österreichs Bedrängnis «nd Sieg.

Z. 406. Während dieser Zeit war Kaiser Leopold im Osten seinesReichs beschäftigt. In Ungarn hatten die Bedrückungen der Protestantendurch die österrerchische Regierung, sowie die schwere Einquartierung und dNGewaltthätigkeiten gegen einige Magnaten bedenkliche Aufstände erregt, ineinem Augenblick, als die Türken, trotz der Niederlage bei St. Gotthardan der Raab, die früheren Eroberungspläne erneuten und einige rüstigGroßvcziere den kriegerischen Geist der Janitscharen wieder weckten. DUösterreichische Regierung hoffte durch Strenge der Bewegung Meister zuwerden. Sie ließ die Hauptführer auf dem Schaffst sterben und verletztedie verbrieften Rechte der Nation. Aber diese Gewaltschritte reizten denFreiheitssinn und Kriegsmut der Ungarn. Emmerich Tököli, ein that-kräftiger Edelmann, dessen Güter eingezogen worden, entfaltete die Fahne derEmpörung. In kurzem stand ihm eine beträchtliche Streitmacht zu Gebote,mit der er das österreichische Kriegsvolk aus Ungarn vertrieb. Ludwig XIV-leistete ihm Beistand, und die Pforte, die ihn als zinspflichtigen König vonUngarn anerkannte, schickte ein großes Heer zu seinem Schutze'ab. Sengendund brennend rückten die Türken bis vor die Mauern Wiens. Der Hos