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407. Das Zeitalter Ludwigs XIV.
Achtete sich nach Linz, Österreichs Hauptstadt schien verloren. Allein derHeldenmut oer Bürgerschaft und ihres Führers Rüdiger von Starhemberg,Mvie die Ungeschicklichkeit der Osmanen im Belagerungskrieg bewirkten, daßAicn sechzig Tage lang allen Angriffen Trotz bot, bis die von Karl von"othrrngen befehligte Reichsarmee und ein mit derselben vereinigtes pol-nisches Heer unter dem Heldenkönig Johann Sobieski der bedrängten StadtZu Hilfe kam. Eine blutige Schlacht unter den Mauern Wiens entschied Widerwe Türken. Sie zogen eilig ab und ließen unermeßliche Beute in den Händender Sieger. Seitdem blieb das Glück der Schlachten bei dem österreichischenHeere. Ungarn wurde erobert, Tököli zur Flucht genötigt und Ofenuach 146jährigem Besitz den Türken entrissen. Nachdem das Blutgerichtvon Eperies den ungarischen Adel seiner unternehmendsten Führer beraubtund Schrecken unter der ganzen Nation verbreitet hatte, konnte Kaiser Leo-pold auf dem Reichstag zu Preßburg die Aufhebung des Wahlkönig-Ams und die Entfernung einiger die Königsmacht beschränkender Rechte ausder Verfassung ohne Widerstand durchsetzen. So wurde Ungarn ein Erblandder Habsburger. Die Türken machten noch große Anstrengungen, um dasverlorene wieder zu erlangen, und um Belgrads Mauern wurde christlichesUnd türkisches Blut in Strömen vergossen; aber die großen KriegsheldenKarl von Lothringen, Prinz Eugen und Ludwig von Baden hieltenden Sieg bei Österreichs Fahnen fest. In dem Frieden von Carlowitz wurdeSiebenbürgen und alles Land zwischen der Donau und Theiß den Öfter-sichern abgetreten.
S) Der Orleanssche Krieg.
8. 407. Um den Türken gegen Österreichs Waffenglück eine Erleichterungschaffen, benutzte Ludwig XIV. die pfälzische Erbschaftssache und dieKölner Erzbischofswahl zu dem dritten, dem sogenannten Orleansschen Ar KriegArug. Ms Kurfürst Karl bei Rhein ohne männliche Erben starb und das "'«sv?^and an die katholische Seitenlinie Pfalz-Neuburg fiel, sprach Ludwig XIV.iur die an seinen Bruder, den Herzog von Orleans, vermählte Schwester desKurfürsten, Elisabeth Charlotte, nicht nur die bewegliche Habe, sondern^ach die Liegenfchaften als Erbteil an und ließ, als er mit seiner Forderung5Ht durchdrang, seine Heere an den Rhein rücken. Um den Feinden das Ein-engen in Frankreich unmöglich zu machen, befahl der harte KriegsministerKonvois, durch Verheerung der Rheingegenden eine Wüstenei zwischenMen Reichen zu schaffen. Wie Mordbrenner fielen hierauf die wildenScharen über die blühenden Dörfer an der Bergstraße, über die reicher: StädteRhein, über die Ortschaften der südlichen Pfalz her und verwandelten sie§ , Aschenhaufen. Der gesprengte Thurm des Heidelberger Schlosses ist noch^tzt ein stiller Zeuge von der Barbarei, mit welcher Melac und andereNuusame Anführer die Befehle einer unbarmherzigen Regierung vollzogen.
Haardtgebirge bis zur Nahe rauchten Städte und Dörfer, Weinbergenc> Fruchtfelder; in Mannheim mußten die Einwohner selbst zerstörende^uud an die Festungswerke und Gebäude legen; Heidelberg ging zum Kg.Asik rn Flammen auf, nachdem die Neckarbrücke in die Luft gesprengt worden;?ZAms wurde, mit Ausnahme der Domkirche, in eine Brandstätte verwan-oi,L ^ in Speier verjagten die Franzosen die Bürgerschaft, zündeten die^geplünderte Stadt mit dem altehrwürdigen Dom an und trieben Hohn mithZ Gebeinen der alten Kaiser. — Die zweite Ursache des Kriegs, in welchenr, V - außer dem Kaiser und dem deutschen Reich, die Niederlande, Spanien"v der Herzog von Savohen und Piemont verflochten wurden, war die Be-