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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
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Die neue Zeit.

H. 408.

sttzung der geistlichen Kurwürde in Köln, wo Ludwig XIV. durch Bestechung,die Wahl des französisch-gesinnten Wilhelm von Fürstenberg durchgesetzthatte, aber Kaiser und Papst die Bestätigung versagten. Auch in diesem acht-jährigen Kriege behielten, trotz der überlegenen Anzahl der Feinde, die von denausgezeichnetsten Feldherren geführten französischen Heere die Oberhand. InItalien, in den Niederlanden, in dem schwer heimgesuchten Deutschland, imnördlichen Spanien, waren die Franzosen meistens im Vorteil und selbst zurissr. bestanden sie mit Ehren, wenn gleich die Schlacht von La Hogue für sieverloren ging. Um so mehr erstaunte man, daß Ludwig so willig zu der all-gemein ersehnten Beendigung des Kriegs die Hand bot und im Frieden von»so?. Ryswick (zwischen Haag und Delft) sich viel genügsamer zeigte, als in Nym-wegen. Das deutsche Reich war allem der verlierende Teil, indem es Straß-burg und allereunierten" Orte den Franzosen belassen mußte. Auch wurde dieRySwicker Klausel", wonach in allen protestantischen Ortschaften, welche dieFranzosen während des Krieges vorübergehend oder dauernd in Besitz gehabt,der katholische Gottesdienst geduldet werden sollte, für die Protestanten derPfalz eine Quelle von Leiden und Drangsalen. Ludwig XIV. wollte bei derbevorstehenden Erledigung des spanischen Thrones die Hände frei haben, darumschloß er den Frieden so eilig ab.

v) Hofleben. Litteratur. Kirche.

§. 408. Während der drei letzten Jahrzehnte des siebzehnten Jahrhundertsstand Frankreich aus dem Höhepunkt seiner Macht nach außen und seiner Blüte nachinnen, so daß das Zeitalter Ludwigs XIV. als die goldene Zeit Frankreichsluden schmeichelnden Geschichtsbüchern jener Tage gepriesen ward. Handel undGewerbthätigkeit nahmen durch Colberts Fürsorge einen mächtigen Ausschwung;Wollen» und Seidenweberei, Strumpswirken und Tuchverfertigung, die in denStädten deS Südens blühten, brachten Wohlstand; die Seemacht hob sich, Kolo-rit een wurden angelegt, Handelsgesellschaften trugen Frankreichs Erzeugnissenach allen Weltgegenden. Der französische Hof entfaltete eine bis dahin noch niegesehene Pracht; das Schloß und die mit Bildsäulen, Fontainen, Banmalleeen ge-schmückten Gärten von Versailles galten als Muster des Geschmacks für ganzEuropa; Feste aller Art, Karusselpartieen, Ballette, Feuerwerke, Opern und Thea-ter, wozu die ersten Geister Frankreichs ihre Talente in Bewegung setzten, folgten inreizendem Wechsel auf einander; Dichter, Künstler und Gelehrte wetteiferten in Ver-herrlichung eines Fürsten, welcher alle Leistungen, die zu seinem Ruhme oder zuseinen Vergnügungen beitrugen, mit freigebiger Hand belohnte. Stolze Bauwerke,wie das Jnvalidenhaus, kostbare Bibliotheken, herrliche Druckwerke, Anstal-ten für Naturwissenschaften, Akademieen u. dgl. m. erhöhten den Glanz und Ruhmdes großen Ludwig. Die seine Geselligkeit, der gebildete Ton, die leichten Manierendes Adels und der Hofleute besiegten Europa weiter und dauernder als die Waffender Heere. Französische Mode, Sprache und Litteratur wurden von der Zeit anin allen Kreisen der höhem Gesellschaft herrschend. Die Gründung der französi-schen Akademie durch Richelieu hatte zur Folge, daß die Sprache, der Stil unddie schriftstellerische Form ausgebildet wurden, ein Vorzug, welcher der Verbrei-tung der Litteratur sehr förderlich war. Die für den geselligen Verkehr, für diemündliche Unterhaltung, wie für Briefe besonders ausgebildete Sprache bliebfortan die Sprache der Diplomatie, der Höfe und der höhern Gesellschaft; und wenngleich den litterarischen Erzeugnissen Kraft, Schwung und Natur abgeht, die Glätteder Form, die Leichtigkeit und Gewandtheit des Stils verschafften dem PariserGeschmack die Herrschaft in Europa und bestärkten die Franzosen in dem selbst-gefälligen Dünkel, daß sie das gebildetste Volk seien. Die dramatischeDicht-