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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
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291
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8. 411. 412.

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Der spanische Erbfolgekrieg.

nien, Katalonien, Valencia, warenfür den österreichischen Thronbewerber;Castilien dagegen und das übrige Land ergriffen die Waffen zum Schutze desbourbonischen Königs Philipp V., der von mütterlicher Seite von denHabsburgern abstammte und dessen Natur spanisches Gepräge trug.

ß. 411. Was diesmal so entschieden das Kriegsglück an Österreichs undEnglands Fahnen knüpfte, war, daß die beiden grüßten Feldherren der Zeit,Prmz Eugen von Savoyen und der Herzog v. Marlborough , die Heereführten. Jener vermehrte gleich anfangs den schon in den Türkenkriegen er-worbenen Ruhm durch einen meisterhaften Zug nach Italien, wo er den wackernFeldherrn Catinat zurückdrängte und den Herzog von Savoyen und Piemontauf Österreichs Seite brachte; Marlborough aber, das Haupt der Whigs(§. 397), die seit dem Regierungsantritt der Königin Anna (Z. 399) dasStaatsruder führten, und darum mit fast unbeschränkter Gewalt ausgerüstet,war sowohl als Kriegsheld wie als Staatsmann ausgezeichnet, befleckte aberseine Ehre durch Habgier und Gewinnsucht. Durch seinen Bund mit Österreichzog der Herzog von Savoyen große Kriegsnot über sein Land. Vendome,ein gescheckter Feldherr, eroberte Piemont und die reichen Fluren der Lom-bardei und gedachte sich mit dem Kurfürsten von Bayern, der in Tirol ein-gefallen war, zu verbinden; allein der mutige Ausstand der tapfern Tiro-ler, die von ihren unzugänglichen Berghöhen uno Thalschluchten die BayernMit ihren Büchsen angriffen und durch einen Wohlgeleiteten Scharenkrieg amVorrücken hinderten, vereitelte den Plan. Der Kurfürst mußte nach großenVerlusten Tirol räumen und schloß sich hierauf an das französische Heer an,das unter den Marschällen Villars und Tallard durch das Kinzigthal inSchwaben eingerückt war. Hier stellten sich Eugen und der Anführer derReichstruppen, Ludwig von Baden , den Feinden entgegen. Bald schloß sichMarlborough nach einem meisterhaften Zug am Rhein und an der Moselden beiden andern an, woraus Eugen und Marlborough den alten bedäch-tigen Markgraf Ludwig zur Belagerung von Jngolstadt abschickten und dannm der Schlacht bei Höchstädt (oder, wie die Engländer sie nennen, von Blen-heim) die französische und bayerische Armee aufs Haupt schlugen. Tallardgeriet mit einem großen Teile seines Heeres in Gefangenschaft, das ganzeKriegsgerät wurde erbeutet. Der Kurfürst von Bayern mußte den Franzosenüber den Rhein folgen und sein Land den Österreichern preisgeben, welchefurchtbare Bedrückungen daselbst übten, so daß endlich das zur Verzweiflunggebrachte Volk einen Aufstand machte, dadurch aber das Maß seiner Leidennur noch vermehrte. Und um das bayerische Fürstenhaus für seine undeutscheGesinnung zu züchtigen, sprach der neue Kaiser Joseph I., der auf seinesVaters Bahn fortging, über Max Emanuel und seinen Bruder, den KölnerKurfürsten, die Acht aus.

Z. 412. Auch in den Niederlanden und in Italien war das Glückden Franzosen entgegen. Dort trug Marlborough in der Schlacht Von Ra-Millics einen glänzenden Sieg über den unfähigen Marschall Villeroi, denGünstling der Frau von Maintenon, davon, was zur Folge hatte, daß diespanischen Niederlande den österreichischen Thronbewerber alsHerrscher anerkannten; und in Italien schlug Prinz Eugen in der Schlachtbei Turin die überlegene französische Streitmacht aufs Haupt, worauf so-wohl Mailand und die Lombardei, als Unteritalien rmt Sicilien inme Hände der Sieger sielen. Eugens Ruhm erschallte weithin und sein Nameblieb fortan im Munde des Volks, das seine Thaten in Liedern pries. Nur inSpanien behauptete sich Philipp von Anjou gegen die englischen und öster-reichischen Heere. Zwar erkannten die Landschaften des alten Königreichs

is*

»701.

»7V».

1». August»70».

Joseph I.»705-

»711.

SS. Mai»7V«.

7. Sept.»7VS.