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Die neue Zeit.
Z. 413. 414.
Aragonien, aus angeborenem Nationalhaß gegen Castilien, großenteilsden österreichischen Thronbewerber an, als dieser in Catalonien landete. Bar-celona, Valencia und alle bedeutenden Städte fielen ihm zu, während dieEngländer unter der Anführung des Prinzen Georg von Hessen auf der Süd-,7«. Aste die schwachbesetzte Festung Gibraltar in Besitz nahmen, die sie bis zurStunde behauptet haben. Aber durch die Anhänglichkeit der Castilianer be-2 s. April hielt Philipp V. dennoch die Oberhand und verhängte nach dem Siege bei,707. Almanza über die abgefallenen Landschaften ein schweres Strafgericht. Dieschönen Fluren von Valencia wurden verwüstet, die entschlossenen Bewohner,die lieber das Ärgste über sich ergeben ließen, als daß sie sich den verhaßtenCastilianern unterwarfen, erlitten den Tod in jeglicher Gestalt, und um nichtdem Höhne der Sieger preisgegeben zu werden, zündeten sie, wie einst dieBürger von Sagunt und Numantia, selbst ihre Häuser an und begrubensich unter den Trümmern. Als endlich nach Eroberung von Saragossa undLerrda der Widerstand gebrochen war, und das Richtbeil die kühnsten Häuptergefällt hatte, verloren die drei Landschaften Aragonien, Catalonien und Va-lencia den letzten Rest ihrer Rechte und wurden fortan nach castilischenGesetzen regiert. Doch beharrte Barcelona in mutvollem Widerstände biszu Ende des Kriegs.
Z. 413. Im Jahre 1708 vermehrten die beiden großen Feldherren EugenEd Marlborough ihren Kriegsruhm noch durch den Sieg bei Oudcnarde ian der Schelde. Da verzweifelte Ludwig XIV. an dem glücklichen Ausgangedes Kriegs , und die Not seines erschöpften Reichs erwägend, wünschte er nun-mehr Frieden. Aber durch den Einfluß Eugens, Marlborouqhs und des hol-ländischen Staatsmannes Heinsius, die das Kriegsglück zu Frankreichs De-mütigung benutzen wollten, wurden harte Forderungen an ihn gestellt. Manverlangte nicht bloß, daß der französische König alle Ansprüche an die gesamtespanische Monarchie aufgebe, sondern daß er auch Elsaß mit Straßburg ^abtrete; und wie hart auch dem stolzen Herrscher die Demütigung fallen mochte,er wäre auf die Bedingungen eingegangen, hätten nicht die Gegner, um dieFortdauer des spanischen Sieges unmöglich zu machen, zuletzt noch die ent-ehrende Forderung beigefügt: Ludwig solle seinen eigenen Enkel aus Spanienvertreiben helfen. Dies schien dem französischen Hofe zu hart und der Kriegdauerte fort. Aber in der mörderischen Schlacht bei Malplaquet verlorFrankreich mehr Leute als bei irgend einer frühern Niederlage und würde denFrieden unter jeder Bedingung haben annehmen müssen, hätte nicht diegöttliche Strafgerechtigkeit nunmehr auch den Übermut der andern züchtigenWollen, auf daß der Mensch Mäßigung lerne!
ß. 414. Ein Streit der stolzen, herrschsüchtigen Gemahlin Marlboroughsmit der Königin Anna und eine daran geknüpfte Kabale hatte die Ausschließungder Herzogin vom Hofe und die Verdrängung des Whig-Ministeriums,71«. durch die Tories zur Folge. Diese, den berühmten Staatsmann undSchriftsteller Bolingbroke (Lord St. John) an der Spitze, wünschten jetztdie Beendigung des Kriegs, um dadurch das Haupt der Gegenpartei, Marl-borough, entbehrlich zu machen, und leiteten deshalb mit Frankreich Frie-densunterhandlungen ein, die um so schneller zum Ziele geführt wurden, alsE- im nächsten Jahr Kaiser Joseph I. ohne männliche Nachkommenschaft starb""d sein Bruder Karl. dem die spanische Monarchie bestimmt war, der Erbein«, seiner Krone ward. Nunmehr konnte es nicht im Interesse der fremdenMächte liegen, den österreichischen Ländermassen auch noch die spanischen bei-zufügen und dadurch abermals eine Habsburgische Übermacht in Europa zugründen. Eine Waffenruhe zwischen England und Frankreich, nach deren Ab-schluß Marlborough alle seine Würden verlor und im Parlament des >