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§- 433. 434. 435.
Preußens Emporkommen.
das deutsche Reich dadurch von Frankreich abhängig zu machen. In dem Nym-phenburger Vertrag verkaufte sich der bayerische Kurfürst, wie einst seinVorgänger Max Emanuel (Z. 410), an Frankreich, um Geld für seine Eitelkeitund Heere zur Erwerbung von Kronen zu erhalten. Dafür sollten die Fran-Asen freie Hand am Rhein und in den Niederlanden haben. Friedrich II. vonPreußen aber wollte die günstige Gelegenheit nicht Vorbeigehen lassen, die Erb-ansprüche seines Hauses an die schlesischen Fürstentümer Jägerndorf, Lieg-nitz, Brieg und Wohlau geltend zu machen und begünstigte daher den baye-rischen Kurfürsten bei seinen Ansprüchen auf Österreich, Ungarn und Böhmend>ie bei seiner Bewerbung um die Kaiserkrone. Auch Sachsen wollte bei derM erwartenden Beute nicht leer ausgehen; der arbeitscheue, stumpfsinnigeFriedrich August III., der die Regierung ganz dem verschwenderischen, gewissen-losen Grafen von Brühl überließ, erhob Ansprüche auf Mähren und zogdurch seine Beteiligung an dem Kriege unsäglichen Jammer über sein unglück-liches, schwergedrüStes Land.
tz. 433. Wenige Wochen nach Karls VI. Tode rückte Friedrich II. mit sei-nem trefflichen Kriegsheer in Schlesien ein. Der König selbst war bei der Armee,Wehr um den Krieg zu lernen und durch seine Anwesenheit den Mut der Trup-pen zu erhöhen, als den Oberbefehl zu führen, den er vielmehr den beiden ge-übten Feldherren Schwerin und Leopold von Dessau überließ. Dieser ersteschlestsche Krieg bewies alsbald, daß ein neuer Geist über die Preußen gekom-men. Nach der siegreichen Schlacht von Mollwitz besetzten sie den größtenTeil von Ober- und Niederschlesten. — Bald nachher rückten dre französischenHeere unter dem Marschall Belleisle in Deutschland ein und bemächtigtensich, von Bayern und Sachsen unterstützt, der Länder Oberösterreich undBöhmen. In Linz nahm Karl Albrecht die Huldigung als Erzherzogentgegen und in Prag empfing er unter feierlichen Krönungsfesten die böhmi-sche Königskrone. Jetzt stand er auf dem Höhepunkt seines Glücks. Die Kai-serwahl hatte sich zu seinen Gunsten entschieden und er traf bereits AnstaltenLU einer glänzenden Krönungsfeier in Frankfurt.
Z. 434. In solcher Not wandte sich MariaTheresia an die Ungarn.Auf einem Reichstag in Preßburg (wo sie nach einer verbreiteten Sage mitihrem jungen Sohne Josef auf den Armen erschienen sein sollte) erregte sie durchdie Schilderung ihrer Bedrängnis und durch günstige Verheißungen eine solcheBegeisterung unter den Magnaten, daß diese sich mit dem einstimmigen Ruf:Vivat blaria Hioresia llsx! erhoben und die streitbare Nation unter die Waffenriefen. Auf gleiche Weise beurkundeten auch die Tiroler ihre alte Treue anÖsterreich. In kurzem zog aus Ungarns Niederungen eine gewaltige Streit-Macht ins Feld. Die kriegerischen Völkerschaften von der Theiß und Marosch,die wilden Scharen der Kroaten, Slavonier, Panduren rückten unter Kheven-hüllers und Bärenklaus (Pereklös) Anführung in Österreich ein, trie-ben die bayerischen und französischen Truppen mit leichter Mühe zurück,fangen plündernd und verheerend nach Bayern vor. Um dieselbe Zeit, alsKarl Albrecht in Frankfurt durch französischen Schutz und unter großemFestgepränge mit der ersehnten Kaiserkrone geziert ward, zogen die Femde inseine Hauptstadt München ein, besetzten Landshut und ließen ihre wildenReiterscharen bis an den Lech streifen. Seiner Erblande beraubt, geriet derMue Kaiser Karl VII. bald in solche Not, daß er nur durch französische Unter-stützung seinen Unterhalt zu bestreiten vermochte.
§. 435. Zu gleicher Zeit rückte ein österreichisches Heer in Böhmen ein,An die Franzosen auch aus diesem Lande zu vertreiben; und um ihnen denBeistand der Preußen zu entziehen, willigte Maria Theresia, wenn gleich mit
20. Okt.1740 .
1740 —
1742 .
1V. April
1741 .
Karl VL.
1741 —
1748 .
24 ,
t. ycm.1742.