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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
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321
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Der nordamerikamsche Freiheitskampf.

an den Höfen von London und Paris. Die Erscheinung des schlichten, ver-ständigen Mannes im einfachen Quäkerkleide und mit Weißen natürlichenHaaren erzeugte in Frankreichs erregbarer Hauptstadt einm solchen Enthusias-mus für Freiheit und Demokratie, daß der junge, reiche Marquis vonLafayette und andere gleichgesinnte Edelleute in hochherziger Begeisterung übersMeer setzten, um Gut und Blut für den amerikanischen Freiheitskampf zuwagen. Auch Deutsche, wie Baron Kalb, Steuben u. a., der Pole Kosci-uszko und eine große Anzahl freiwilliger Streiter aller Nationen zogm denAmerikanern zu Hilfe. Hierdurch ermutigt, sprachen die Abgeordneten der 13 4vereinigten Staaten die Unabhängigkeit der amerikanischen Kolonieenvon England aus. Aber trotz dieser Teilnahme und trotz der Anstrengungder hochherzigen Führer des jungen Staates schienen die Amerikaner doch er-liegen zu müssen, als die englische Regierung mit mehreren deutschen FürstenVerträge abschloß, infolge deren viele Hessen, Hannoveraner, Braun-schweiger, Waldecker und andere Deutsche, die durch verschmitzte Werber zu-sammengetrieben und von ihren Fürsten für Geld an die Engländer abgegebenwurden, nach der neuen Welt zogen, um ihre europäische Kriegskunst an Ame-rikas freien Söhnen zu erproben. Nun machten die englischen Heerführer inNeu-Iork und Canada siegreiche Fortschritte und nahmen sogar Philadelphiaein; allein die Umsicht und Ortskunde des wachsamen Washington, der sichjeden Vorteil zunutze machte, hinderte größere Erfolge; und als endlich dieKapitulation von Saratoga erfolgte, wodurch 7000 Mann englischer Truppen Wdie Waffen streckten, nahm der Krieg eine Wendung, welche für die Amerikanereinen glücklichen Ausgang verhieß.

tz. 456. Die Kunde von der Kapitulation von Saratoga wurde in Frank-reich mit Jubel vernommen und hatte die Folge, daß die französische Regie-rung, von der öffentlichen Meinung hingerissen, mit dem Kongreß einen Bundabschloß, worin sie die Unabhängigkeit Nordamerikas anerkannte undbis zur festen Begründung derselben Hilfe zusagte. In England geriet manM Besorgnis; manche waren der Meinung, man sollte durch Nachgiebigkeitgegen die Amerikaner dem drohenden Sturm vorbeugen. Aber Pitt bewies ineiner meisterhaften Rede, daß jetzt die britische Ehre die Fortsetzung des Kriegsgebieterisch verlange, da es sonst scheinen würde, als gewähre man nur ausFurcht vor Frankreich Friede und Zugeständnisse. Die heftige Rede erschütterteden schon längere Zeit leidenden Staatsmann dermaßen, daß er im Parlamentumfiel und wenige Wochen nachher in seinem Landhause verschied. VonFrankreich unterstützt mit Geld, Schiffen und Kriegsmannschaft und vielendurch Geburt, Reichtum und Bildung ausgezeichneten Freiwilligen, konntendie Amerikaner nunmehr mit größerer Zuversicht den Krieg mit England auf-nehmen; und hatte auch der junge Freistaat noch manche Gefahr zu über-winden, noch manches Ungemach zu bestehen, und waren auch noch Kriegs-widen, Geldnot und Verräterei (General Arnold) zu erdulden, der endlicheSieg war nicht mehr zweifelhaft, namentlich seitdem auch noch Spanien demamerikanischen Bündnis beigetreten. Nun wurde der Krieg hauptsächlich inden südlichen Staaten Nordamerikas geführt, wo sich noch viele Anhänger desMlischen Königtums befanden. Da aber der Kampf zu gleicher Zeit m ver-schiedenen Gegenden zu Wasser und zu Land stattfand, und die Feinde Eng-lands sich mit jedem Jahr mehrten, so wurde die Kriegführung in Amerikaselbst nach und nach schlaffer. Nicht nur die französischen und spanischenFlotten bekämpften oie englischen Schiffe in den westindischen Gewässern, imatlantischen Ozean und im Mittelmeer; auch die Holländer wurden in denKneg gegen England verflochten, als sie sich dem bewaffneten Neutralitäts-

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