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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
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§. 461 . 462 .

Reformen der Fürsten und Minister.

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Volksbildung und zu einer geordneten Staatsverwaltung. Zur Bebauung deröden Sierra Morena rief man deutsche Ansiedler ins Land, die sich in derKolonie La Carolina niederlassen sollten. Allein während der spätern Regie-rungsjahre Karls III. erlangte die Geistlichkeit und die Inquisition aufs neueMoßen Einfluß und vernichtete oder verkümmerte wieder die meisten Neue-Amgen. In Frankreich gehörte der Minister Choiseul ebenfalls zu denFörderern der Aufklärung und des Fortschritts; aber unter der Regierung deswollüstigen Königs Ludwig XV. konnten keine Verbesserungen ins Leben treten.Dagegen wurden nach der Thronbesteigung Ludwigs XVI. zwei Männer insMinisterium berufen, die den Willen und die Kraft besaßen, durch gründlicheReformen das zerrüttete Staatswesen zu heilen Turgot und Males-d erb e s. Nach ihren Vorschlägen sollte eine neue BesteuerunAsweise eingeführt,Adel und Geistlichkeit zu den Staatslasten beigezogen und die mittelalterlichenVerhältnisse zeitgemäß verändert werden. Bürgerliche Rechtsgleichheit ohneAnsehen der Person, des Standes, der Religion sollte durchgängig Geltungerhalten. Ihre Pläne scheiterten jedoch an dem Eigennutz des Adels und derGeistlichkeit und an der Verblendung des Hofes.

§. 461. Um dieselbe Zeit wurden im Norden und Osten Europas ähn-tlche Reformationsversuche unternommen. In Dänemark gelangte unter demschwachsinnigen König Christian VII. der deutsche Arzt Struensee durch seinekgme Gewandtheit und die Gunst der Königin Karoline Mathilde, einerSchwester Georgs III. von England, zu der Würde eines Reichsgrafen undbesten Ministers. Mit der unerhörten Vollmacht ausgerüstet, daß alle vonww unterzeichneten und mit dem Kabinetssiegel versehenen Verordnungendreselbe Gültigkeit haben sollten, als wenn der König selbst sie unterschriebenhatte, traf Struensee eine Menge Einrichtungen im Geiste der Zeit zur Er-leichterung des Bürger- und Bauernstandes, zur Beschränkung der Adelsmacht,Dr Verbesserung des Gerichtsganges u. dergl. m. Aber ein Mann ohne be-deutende Eigenschaften, ohne Charakterstärke, ohne Mut und ohne Entschlossen-st, gab er sich bald solche Blößen, daß sein Sturz nicht lange ausblieb,^ern vertrautes Verhältnis zu der hochsinnigen, aber unvorsichtigen Königin^suhr eine schlimme Deutung; durch die Anwendung der deutschen Spracheallen amtlichen Erlassen und die Berufung deutscher Beamten beleidigte^ das dänische Nationalgefühl; durch die Mutlosigkeit, die er bei einemAsUngfügigen Militär- und Matrosenaufstand an den Tag legte, machte erflch verächtlich und flößte seinen Gegnern Zuversicht ein. Nach einem HofballAswg Juliane, Christians Stiefmutter, mit einigen ihrer Vertrauten in des

Frank-

reich-

Choiseul.

Turgot u.MaleS-herbeS

irr«.

Däne-

mark.

Struensee

unter

Christian

VII.

17SS-

»808.

K>urde Struensee nebst seinem Freunde Brandt ins Gefängnis gebrachtMd nach einem höchst ungerechten Gerichtsgange als Hochverräter mit VerlustA rechten Hand und Enthauptung bestraft. Karoline Mathilde, durch^rruensees Schwäche verraten, wurde von dem König geschieden und starbsN drei kummervollen Jahren in Celle. Nach Struensees Fall bemächtigteI^.Juliane der Regentschaft und ließ durch ihren Günstling Guldberg alleooMMigen Neuerungen abstellen. Als aber der Kronprinz Friedrich zuFuhren kam, führte er im Namen seines Vaters die Regierung und übertrugE Leitung des Ministeriums dem wackern Grafen von Bernstorff.

Al-- ?- .462. In Schweden erreichte unter dem gutmütigen König AdolfU^drich die Adelsherrschaft ihre volle Ausbildung. Der Reichs'rat, derlieb ^Z"isgeschäfte leitete, bestand aus Leuten ohne Ehrgefühl und Vaterlands-den-« fremden Mächten verkauften und denjenigen Höfen dienten, von»en sie die größten Summen zogen; des Landes Ehre und Wohlfahrt kam

28. April»IIS.

»775.

Schwede».

AdolfFriedrich1751» 7 ».