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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
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Zeitalter der Revolutionen und Restaurationen.

H. 463.

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dabei nicht in Betracht. Zwei Parteien,Hüte" undMützen" genannt, jenein Frankreichs, diese in Rußlands Sold, haßten und verfolgten einander anfsBlut und machten den Reichstag zum Schauplatz ihrer feindseligen Angriffe.Der König war ohne Macht und Ansehen. Dieser Zustand fand sein Ende,^r' 77 !-^ als nach Adolf Friedrichs Tod der gewandte, volksbeliebte Gustav III. deni 7 » 2 . Thron bestieg. Tapfer, ritterlich und beredt, brachte er leicht das schwedischeMilitär und Volk auf seine Seite und zwang dann den Reichstag, nachdem erdessen Sitzungshaus mit Truppen umstellt, in die Abänderung der Verfassungzu willigen. Durch diese unblutigeRevolution" wurde der Krone die aus-übende Gewalt zurückgegeben und der Reichsrat in die Schranken einerberatenden Behörde gewiesen. Dem König stand die Verfügung über dreLand- und Seemacht, die Anstellung aller Staats- und Kriegsbeamten M-Bei einer Besteuerung, sowie bei Kriegserklärungen und Friedens-schlüssen sollte er die Zustimmung der Stände einholen. Aber nach einigenJahren befreite er sich durch einen Machtstreich auch von dieser Beschränkungund verlieh somit der Krone unumschränkte Gewalt. Begabt mit vielen Ta-lenten und königlichen Eigenschaften, benutzte Gustav III. seine hohe Stellungzu mancherlei Reformen uno Einrichtungen im Verwaltungs- und Gerichts"Wesen, dre zum Wohle des Volks gereichten und im Sinne der Zeit waren.Aber viele seiner Schöpfungen gingen aus Prachtliebe, aus Nachahmungssuchtfranzösischer Sitten und aus Anhänglichkeit an entschwundene Ritterzeitenhervor. Die Gründung einer Akademie nach französischem Zuschnitt, die Er-richtung von Theatern und Opernhäusern, die Wiederbelebung der Tue-niere und Ringelrennen verursachten dem armen Lande große Kosten. DesKönigs unzeitgemäße Heldentrüume und ritterliche Grillen gaben seiner Thä-tigkeit eine verschrobene Richtung. Die Liebe des Volkes schwand immer mehr,als er das Branntweinbrennen für ein königliches Vorrecht erklärteund die Schweden zwang, das gewohnte, sonst von jeder Familie selbst bereiteteGetränk um teures Geld den königlichen Brennereien abzukaufen; als er einennutzlosen, kostspieligen Land- und Seekrieg mit Rußland unternahm; als erendlich, noch ehe die Wunden vernarbt waren, auf einen neuen Krieg umFrankreich sann, um der Revolution entgegen zu treten und LudwigsKrone zu retten. Es bildete sich eine Verschwörung, infolge deren Gustav IU-auf einem Maskenbälle von dem ehemaligen Gardeossizier Ankarström ermtödliche Schußwunde empfing, an welcher er zwölf Tage nachher starb.

Lverrcich. H 463. In Österreich suchte zuerst Maria Theresia in Verbindung rilltdem aufgeklärten Minister Kaunitz mancherlei Mißbräuche abzustellen undmanche zeitgemäße Änderung einzuführen. Das Heer- und Kriegswesenwurde umgestaltet, das Gerichtswesen erfnkr allerlei Verbesserungen; neuUnterrichtsanstalten wurden gegründet und der Staatshaushalt gut ge-ordnet. Aber die Kaiserin verfuhr mit Umsicht und Besonnenheit und schonmöglichst sowohl den Volksglauben als die nationalen Rechte und die^ ^ kömmlichen Gebräuche. Anders ihr hochfinniger, für Freiheit und Mensch^"» 78 «-' Wohl begeisterter, aber allzu rasch und unbedachtsam handelnder Sohn JosephKaum war er unumschränkter Gebieter des großen österreichischen Reiches, '«Er seit unternahm er eine Reihe von Reformen, welche teils die Geistlichkeit und ol

i'6s. eifrigen Freunde der Kirche beleidigten, teils den bevorrechteten Adel beeimträchtigten, teils das Nationalgefühl der dem Kaiserhause unterworsenenVouci-

verletzten. Zuerst führte er Religionsduldung (Toleranz) ein und ge-währte den Bekennern der lutherischen, calvinischen und griechischen Kuwfreie Religionsübung und gleiche staatsbürgerliche Rechte mit den Katholiken,sodann verminderte er die Zahl der Klöster und verwendete das daduru-

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1790 .