464.
Reformen der Fürsten und Minister.
327
1788 .
1787 .
1790 .
20. Febr.1790 .
gewonnene Kirchenvcrmögen auf Verbesserung der Schulen und auf Errichtunggemeinnütziger Anstalten; er beschränkte Wallfahrten und Prozessionen, er-schwerte die Verbindung und den Verkehr seines Klerus mit Rom. Umsonstversuchte Papst Pius VI. durch den unerhörten Schritt einer Reise nach-Wien den Kaiser auf andere Wege zu bringen. Joseph empfing ihn höchstehrenvoll, beharrte aber auf seinen Vorsätzen. — Nicht minder folgenreichWaren Josephs Reformen der bürgerlichen und staatlichen Verhält-strsse. Er begründete die persönliche Freiheit durch Aufhebung derLeibeigenschaft und die bürgerliche Rechtsgleichheit durch Einführunggleichmäßiger Besteuerung und Gleichheit vor dem Gesetze ohne An-sehen der Person und des Standes. Bei diesen Neuerungen hatte Joseph II.
Ae edelsten Zwecke; aber er verfuhr mit allzugroßer Hast, nahm zu wenigRücksicht aus bestehende Verhältnisse, Gebräuche und Vorurteile und gönnteber Aussaat nicht die gehörige Zeit zur Reise. Deshalb gab er den Gegnerndes Fortschritts Mittel in die Hand, sein Thun und Streben zu verdächtigenund seine menschenbeglückenden Absichten um alle Früchte zu bringen. Als erlerne Reformen auch in den österreichischen Niederlanden einführen wollte,ur Brüssel einen neuen höchsten Justizhos errichtete und in Löwen die untergeistlicher Leitung stehende Universität umzugestalten anfing, entstandenUnruhen, die endlich in allgemeine Empörung übergingen. Die Niederländerverweigerten die Steuern, trieben die österreichische Landesregierung nebst derschwachen Besatzung aus dem Lande und sprachen aus einem Kongreß dieUnabhängigkeit der Niederlande aus. Diese vom Klerus und Adel be-wirkten Auftritte und die ähnlichen Vorgänge in Ungarn brachen dem reiz-baren Kaiser das Herz und beschleunigten seinen Tod, dessen Keime er in denungesunden Donauländern während des Türkenkriegs als Rußlands Bundes-genosse (ß. 468) eingesogen. Josephs unermüdliche Thätigkeit und Anstrengung,womit er selbst von allem Einsicht nahm, dem Hohen wie dem Niedrigen freienAntritt gestattete und die Beamtenwillkür abstellte, fand keine Würdigung;seine Absichten wurden verkannt und mißdeutet, seine edelsten Pläne vereiteltund fein Name verunglimpft. Aber die Nachwelt, die feine Zwecke und Be-strebungen richtiger zu würdigen vermag, wird stets sein Andenken segnen.
W?n Bruder und Nachfolger Leopold II. stellte die alten Zustände größten-dMlsst.wils wieder her und führte dadurch in Belgien und Ungarn allmählich die 179 s.Ruhe zurück. Die republikanisch gesinnten Niederländer wurden mit Waffen-gewalt zum Gehorsam gebracht.
8 . 464. Selbst das unkultivierte Rußland empfand den Einfluß des Zeit-Afftes unter der langen und glanzvollen Regierung Katharinas II. Die rm-u.Rächerin besaß große Herrschcrgaben und einen empfänglichen Geist; sie standwit Voltaire und seinen Gesinnungsgenossen in Briefwechsel, ließ Diderotswch Petersburg kommen und beförderte Wissenschaften und Künste. Sie ver-werte die Rechtspflege, gründete Akademiecn und Schulanstalten und trafwanche Einrichtungen, die dem Reiche einen Schein von Bildung verliehen undvn den französischen Schriftstellern laut gepriesen wurden. Aber das Meiste
nur Blendwerk; die berühmte Reise der Kaiserin nach Taurien, woschliche Dörfer, zusammengetriebene Hirten und Herden und ländliche Festevi,M des Weges den Glauben erzeugen sollten, als sei das Land blühend undw>"Nch, sst nn Bild ihrer ganzen Regierung. Eine Frau von heftigen Triebenleb Erregbarkeit, folgte Katharina auch in ihrem Privat- und Hof-
KZnder frivolen Zeitrichtung der höheren Stände; in Petersburg herrschteGr!.» Srttenlosigkeit, Ausschweifung und Wollust wie in Pans. Nachegor Orlow, dem die sinnliche Kaiserin zum Lohne für seine Mitwirkung
1762 -
1796 .
1787 .