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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
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329
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8- 467.

Die Teilungen Polens und die Türkenkriege.

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General-Konföderation von Radom, riefen Rußlands Hilfe an undtrotzten dem Reichstag freie Religionsübung, Zutritt zu den Ämtern und diefrüher besessenen Kirchen ab. Umringt von russischen Truppen, unterzeichneten

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2» S-cki1787 .

^ese Ohnmacht dauernd bleibe, würde die Einrichtung getroffen, daß ohne dieZustimmung Rußlands mit der bestehenden Verfassung keine Veränderung vor-genommen werden dürfe. Diese Vorgänge verletzten das Nationalgefühl derpolnischen Patrioten und weckten den Religionshaß der katholischen Eiferer.W bildete sich die Gegenkonföderation von Bar, welche Polen vonoer russischen Übermacht befreien und den Dissidenten die verliehenen Rechtewieder entreißen wollte. Frankreich unterstützte sie mit Geld und Offizieren.Atzt erhob sich ein wütender Kampf zwischen den beiden Konföderationen.Aber die russischen Heere, die zum Schutz des Reichstags und der Dissidentenuu Lande zurückgeblieben waren, trugen den Sieg davon. Bar und Krakau, dievauptfestungen der Gegner, wurden erstürmt und diese zur Flucht auf türkischesgebiet genötigt. Die Russen folgten ihnen über die Grenze und enthielten sichÜlbst auf fremdem Boden des Mordens, Brennens und Plünderns nicht.

Z. 467. Diese Gebietsverletzung brachte die von dem französischen Ge-sandten aufgestiftete Pforte zur Kriegserklärungan Rußland, worauf ein sechs-jähriger Türkenkrieg das östliche Europa zu Wasser und zu Land furchtbarerschütterte. Während Romanzow nach zwei blutigen Treffen die Moldauand Wallach ei eroberte und die Erstürmung von Bender Europa mitGrauen, erfüllte, wurde Morea, wo sich die Griechen im Vertrauen aufMsische Hilfe gegen die Herrschaft der Türken erhoben hatten, von diesen mitHeuer und Schwert entsetzlich verwüstet, so daß ganze Strecken mit Trümmernbnd Leichenhaufen bedeckt waren; und im Hafen von Tschesmü, der Inselsihios gegenüber, wurde die ganze türkische Flotte in Brand gesetzt, wovonN Snihrna die Erde bebte und das Meer wie von einem Sturm bewegt ward.Zugleich wurde Moskau und die Umgegend von einer verheerenden Pestheimgesucht und in Polen dauerte der leidenschaftliche Bürgerkrieg mit wach-ender Wut fort. Nur wie durch ein Wunder entging Poniatowski den Hän-?en einiger Verschworenen, die ihn aus Warschau entführen wollten. Allent-halben traf der Blick auf blutgetränkte Steppen, niedergebrannte OrtschaftenUnd jammernde Völker. Polens Ohnmacht und Zerrissenheit lud zur Teilung^u. Nach einer mündlichen Besprechung Friedrichs II. mit Joseph II. (darechtlich gesinnte Maria Theresia dem Plane abhold war) und einem Be-such des Prinzen Heinrich von Preußen in Petersburg, kam zwischen Rußland,R^ußen und Österreich ein Teilungsvertrag zustande, infolge dessen scderWeser Staaten die an sein Gebiet grenzenden Länder an sich riß. UmsonstWidersetzte sich der Reichstag mutig und standhaft der Ausführung dieses Plansund bewies, daß die angeblichen Rechte und Ansprüche, welche die Mächte»eltend machten, längst durch Verträge, Abtretungen und Friedensschlüsse auf-beben worden; umsonst protestierte er feierlich vor Gott und vor der WeltMen einen solchen Mißbrauch der Übermacht und gegen ein Verfahren, dasl^eue und Glauben umstoße; von russischen Waffen umringt und bedroht,Mch ^ endlich der Gewalt und willigte in dre Länderabtretung. Dadurch kamus polnische Preußen samt dem Netzdistrikt und den fruchtbaren GegendenM der Weichsel (Elbing, Marienburg, Culm u. a. O.) an dieHohenzollern, Ga-"^en mit den reichen Bergwerken von Wielicka an Österreich und die Länder?u der Düna und am Dnepr an Rußland. Die Errichtung eines immer»wahrenden Rats", der ganz unter russischem Einfluß stand, entriß dem

28. F-br1768.

Erster

Türken-

krieg

1768

1774.

177V.

16. J'iN177V.

1771.

5. August1772.