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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
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Zeitalter der Revolutionen und Restaurationen.

468 . 469 .

8 .

SI. IM177».

17«».

ZweiterTürken»krieg1787-1792.17. Dezbr.1788.

22. Dezbr.

179».

9. Mai

1791.

Januar

1792.

11. Mai1792.

König den letzten Rest von Herrschermacht. Von der Zeit an war der russischeGesandte in Warschau der eigentliche Gebieter der polnischen Republik. ^Bald nachher erlangte Rußland durch den Frieden von Kudschuck Kar-nardsche mit der Pforte die freie Durchfahrt durch die Dardanellen unddie Schutzherrschaft über die Moldau, die Wallachei und die Halb-insel Krim.

8- 468. Rußlands Eroberungssucht war damit nicht gesättigt. Nacheinigen Jahren wurde der Khan der Tataren zur Niederlegung feiner Würdegebracht, worauf Potemkin die Krim nach schrecklicher Verwüstung eroberteund mit den übrigen Ländern am schwarzen Meer zu einem Gebiet vereinigte,das den alten Namen Taurien erhielt. In die menschenleeren Steppen riefman Kolonisten aus Deutschland, die Handelsstädte Cherfon und Odessaerhoben sich und ein äußerer Schein von Kultur blendete die Welt. Aber dasGlück und der Wohlstand der Einwohner verschwand mit der Freiheit; dieeinst glänzenden Zeltstädte sind Zigeunerlager geworden und die steinernenHäuser und Paläste in Trümmer zerfallen. Die drohende Nähe Rußlandsmachte die Pforte besorgt. Es währte nicht lange, so entstand ein zweiterfurchtbarer Land- und Seekrieg zwischen den Russen und Türken. KaiserJoseph schloß sich den erstern an, um an den Eroberungen teilzunehmen-Auch diesmal begleitete oer Sieg die russischen Heere und ihre schrecklichenFührer. Mitten im Winter erstürmte Potemkin das feste Oczakow, nach"dem er die Laufgräben mit Blut und Lerchen gefüllt, und der tapfere Suwa-row eroberte unter ähnlichen Greueln die Festung Ismail. Den Russenstand der Weg nach Konstantinopel offen, und der Name von Katharinaszweitem EnkelKonstantin" wurde aus die geheime Absicht der Kaiseringedeutet, einen christlichen Fürsten in die byzantinische Hauptstadt einzuführen.Diese Vergrößcrungssucht Rußlands machte die übrigen Staaten besorgt-England und Preußen nahmen eine drohende Haltung an; Gustav III. vonSchweden bekriegte die Russen zu Wasser und zu Land (K. 462); Polenglaubte den günstigen Zeitpunkt gekommen, sich dem gebieterischen EinflüsseRußlands zu entziehen und wieder staatliche Selbständigkeit zu erringen. JinBunde mit Preußen, wo mittlerweise dem großen Friedrich sein Neffe Fried-rich Wilhelm II. in der Regierung gefolgt war, lösten die Polen denimmer-währenden Rat" auf, verwandelten ihr Wahlreich in ein Erbkönigreich undgaben sich eine konstitutionelle Verfassung mit zwei Kammern undgenauer Trennung der drei Gewalten, der ausübenden, gesetzgebenden undrichterlichen.

ß. 469. Diese zeitgemäße Verfassung, das Werk vaterländisch gesinnterMänner, wurde von ganz Europa mit Beifall begrüßt. Der König beschworsie; Friedrich Wilhelm II. ließ seinen Glückwunsch darüber aussprechcn, selbstKatharina verbarg ihren Arger. Ein neuer Geist schien über die Nation ge-kommen. Aber Parteisucht und Eigennutz zerstörten das gute Werk. VieleGroßen warm mit der Änderung unzufrieden; es bildete sich eine Partei zurErhaltung der polnischenFreiheit", wie sie in ihrer Verblendung die alteVerfassung nannten, und rief den Schutz der Kaiserin an. Diese hatte geradeum dieselbe Zeit mit der Pforte den Frieden von Jassy geschlossen und er-griff nun mit Freuden die Gelegenheit, ihre Heere an die Grenze rücken istlassen. Im Vertrauen auf diesen Beistand schloß die russisch gesinnte Parierdie Konföderation von Targowicz zur Wiederherstellung der alten Wahl-verfassung. Bald stand eine russische Kriegsmacht im Herzen von Polen-Umsonst riefen die Patrioten Preußens Hilfe an; in Berlin war man ausandere Gedanken gekommen, man zog das Bündnis mit Rußland der Freund-

sei