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Zeitalter der Revolutionen und Restaurationen.
ß. 489.
schuß die Gegend von der Seine bis zur Loire und zur äußersten Meeresküstedurch den schrecklichen Carrier mit Mord und Blut heimsuchen. Dieses un-geheuer ließ in Nantes seine Opfer Hundertweise vermittelst Schiffen mit Fan-böden in der Loire ertränken (Noyaden). Noch entsetzlicher waren die Greuel-thaten der Jakobiner in den Städten des Südens, in Lyon, Marseille,Toulon. In der ersten Stadt hatte der ehemalige Priester Chalier als Vor-steher des Jakobinerklubs durch schändlicheMaueranschläge die Arbeiterklasse^Beraubung und Ermordung der „Aristokraten" aufgefordert. Empört über dieseFrechheit, bewirkten die an Leben und Eigentum bedrohten angesehenen unvreichen Bürger Lyons die Hinrichtung des Demagogen. Diese That erfülltedie Pariser Schreckensmänner mit Wut. Eine republikanische Armee rücktevor oie Mauern der Stadt; nach hartnäckigem Kampfe wurde diese eingenom-men und furchtbar gezüchtigt. Collot d'Herbois, Fouchs, Couthon u. a-ließen die Einwohner massenweise erschießen, weil dre Guillotine zu langsamwirkte; ganze Häuser und Straßen wurden eingeriffen oder mit Pulver ge-sprengt; in die Habe der Reichen teilte sich der Pöbel; Lyon sollte vertilgt wer-den und zu einer Gemeinde ohne Namen Herabsinken. Auf ähnliche WelseWüteten die Republikaner in Marseille und Toulon. Die Royalisten vonToulon hatten die Engländer zu Hilfe gerufen und ihnen Stadt und Hafenübergeben. Im Vertrauen auf diesen Beistand und auf die Stärke der Festungs-werke trotzten die Touloner Bürger ihren republikanischen Widersachern. Aberdie Armee der „Sanscülotten", bei welcher der junge Korse Napoleon Bona-parte die ersten Proben seines Feldherrntalents ablegte, überwand alle Hinder-nisse. Toulon ward erstürmt. Die Engländer, außerstande, die Stadt zu hal-ten, steckten die Flotte in Brand und gaben die unglücklichen Bewohner derentsetzlichen Rache des Konvents preis. Auch hier ließ der schreckliche FräroNalle wohlhabenden Bürger in Masse niederschießen und ihre Habe den Sans-culotten austeilen. Die ehrbaren Einwohner entflohen und überließen oNStadt dem Gesindel und den Galeerensklaven. Auf ähnliche Weise verfuhrTallien in Bordeaux; und im nördlichen Frankreich zog Lebon mit der Guil-lotine von Ort zu Ort.
§. 489. Die Blutscenen in der Vend6e. Am schrecklichsten jedoch wardas Schicksal der Vendae, jenes eigentümlichen, von Gehölzen, Hecken undbüschen überdeckten und von Gräben durchschnittenen Landes im westlichenFrankreich. Hier lebte ein zufriedenes Volk in ländlicher Stille und in derEinfalt alter Zeit. Die Bauern und Pächter hatten Anhänglichkeit an ihreGutsherren, sie liebten den König und hingen mit Verehrung an der Geistlich'keil und den kirchlichen Gebräuchen, die ihnen von Jugend auf teuer und heiliggewesen. Als nun die Nationalversammlung ihre unbeeidigten Priester ver-trieb und morden ließ, als der König auf der Guillotine blutete, als die BaueiM-föhne durch das allgemeine Aufgebot in die Armee einberufen wurden, daerhob sich das zornige Volk zum Wrderstand und zum Bürgerkrieg. Unter küh-nen Führern von geringem Stande, wie Charette, Stafflet, Cathelineaü,denen sich einige Edelleute, wie La Roche-Jacquelein,d'Elbäe u. a., zuge-sellten, schlugen sie anfangs die republikanischen Heere zurück, eroberten Saumür und bedrohten Nantes. Da schickte der Konvent die Revolution«armes unter Westermann und den rasenden Jakobinern Ronsin und Rolsignol nach der Vendäe ab. Diese fielen wie reißende Tiere über die Bewohnerher, steckten die Städte, Dörfer, Meierhöfe und Gehölze in Brand und suchtendurch Schrecken und Greuel den Widerstand der „Royalisten" zu brechen-ASer der Mut des Vendäer.Landvolks blieb ungebeugt. Erst als der Genera»Kleber mit den nach der Übergabe von Mainz in die Heimat zurückgekehrte