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Zeitalter der Revolutionen und Restaurationen.
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lang machte Dantons Donnerstimme und der Tumult unter der Volksmengeseine Verurteilung unmöglich. Zum erstenmale gerieten die Blutmenschen desNevolntionstribunals in Verwirrung. Da erteilte der Konvent durch emeigenes Gesetz dem Gerichtshof die Vollmacht, die Angeklagten, die durch Er-regung eines Aufstandes die bestehende Ordnung zu stürzen suchten, ohne wei-teres Verhör zu verdammen, worauf die blutbefleckten Helden des 10 . August undder Septembertage, die bei ihrem Verhöre bewiesen, daß auch in einer Ver-s. «piu drccherseele noch em hoher Sinn wohnen könne, zur Guillotine geführt und mit»»». einer Schar gemeiner Hebertisten enthauptet wurden. Sie starben mit Mutund Entschlossenheit. .
ß. 491. 3. Kriegsthaten der Republikaner- Erste Koalition. Währenddieser blutigen Vorgänge im innern ließen fast alle Völker Europas ihre Kriegs-heere drohend an die französischen Grenzen vorrücken. In den Niederlandenstanden Holländer, Österreicher und Engländer; deutsche, preußische und öster-reichische Truppen setzten über den Rhein, Sardinien bedrohte den Südosten,an den Pyrenäen waren spanische und portugiesische Heere aufgestellt; zugleichsuchte dre englische, von Pitt geleitete Regierung, Frankreichs Seemacht zuvernichten, seine Koloniecn zu erobern und durch reiche Hilfsgelder an die Re-gierungen des Festlandes den Krieg in Schwung zu halten. Anfangs warendie Waffen der Verbündeten nicht ohne Glück; Elsaß und Flandern fielen inihre Hände und der Weg nach Paris stand offen; aber Uneinigkeit und Plan-losigkeit hinderten glänzende Erfolge, obwohl damals das neue'Kriegswesen MFrankreich noch nicht geschaffen war. Die Republikaner, in jedem Mißgeschickaristokratische Verrätern argwöhnend, wollten durch Schrecken den Sieg er-zwingen. General Beauharnars, der zum Entsatz von Mainz zu spät kam,starb auf der Guillotine; ebenso Custine und sein Sohn; gleiches Los hatteHouchard, der Sieger über die Holländer und Hannoveraner bei Hondschoo-iK"' ten, als er später der feindlichen Übermacht weichen mußte, und Hoche büßteW. bis m im Kerker die durch die Preußen und andere deutsche Truppen erlittene Nre-derlage bei Kaiserslautern. Nun trat aber der wackere und thätige Carnotin den Wohlfahrtsausschuß und gab den Kriegsunternehmungen Einheit undPlanmäßigkeit. Durch das allgemeine Aufgebot wurde ine ganze Nationan dem Kriege beteiligt; die junge Freiheit, die ihren ungestümen Ausdruck Mder Marseillaise, dem neuen Kriegsgesang, fand, weckte in den StreiternMut und Begeisterung; fanatisierte Scharen wurden nun massenweise, nichtmehr in kleinen Heerab'teilungen, dem Feinde entgegengestellt; aus den Reihengemeiner Krieger gingen die größten Feldherren des Jahrhunderts hervor.Gegen solche Kräfte konnten die feindlichen Generale mit ihrer veralteten Kriegs-weise und mit Soldaten, die um Sold, nicht für Vaterland und Freiheitkämpften, nicht Stand halten, zumal da die Kriegsunternehmungen der Ver-. bündeten häufig durch politische Rücksichten gelähmt und durch diplomatischeKünste durchkreuzt wurden. Im Juni erzwäng Jourdan nach der Schlachtvon Fl eurus die Räumung Belgiens, und benn Eintritt des Herbstes warendie österreichischen Niederlande und die holländischen Grenzfestungen in denHänden der Franzosen. Dadurch ward es dem General Pichegrü möglich, lM,7«4.n. Dezember und Januar über dre beeisten Gewässer einen kühnen Kriegszuggegen die holländischen Generalstaaten zu unternehmen. Mit einem anKleidung und Nahrung Mangel leidenden Heer bemächtigte sich Pichegrü desreichen Landes, trieb den Erbstatthalter zur Flucht nach England und fülltedie Gründung einer batavischen Republik mit demokratischen Grundrech-ten, mit Freiheitsbäumen und Volksvereinen herbei. Von dem an blieb Hol-land mit Frankreich verbunden; aber nicht nur, daß die französischen Trupps