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Zeitalter der Revolutionen und Restaurationen.
8. 496.
Dies nötigte den wackern Wurmser, Mantua an den glorreichen Sieger zuübergeben. Bonaparte. des Feindes Tapferkeit ehrend, gewährte dem greisenFeldherrn mit seinem Generalstab und einem Teil der mutvollen Besatzungfreien Abzug. Erschreckt über diese raschen Erfolge, erkaufte Papst Pius".Abr. Mg den Frieden von Tolentino durch Gebietsabtretungen, Geldsummen' und Kunstwerke. — Jetzt übernahm Erzherzog Karl den Oberbefehl überdie österreichischen Heere in Italien. Aber auch er wurde bald zu einem ver-lustvollen Rückzug genötigt, worauf Bonaparte ihn bis nach Klagenfurrverfolgte, in der Absicht, auf Wien loszugehen. Kaiser Franz, besorgt überdas Schicksal seiner Hauptstadt, ließ sich durch weiblichen Einfluß gerade istdem Augenblick zum Abschluß deS nachteiligen Präliminarfriedens vonLeob en bestimmen, als die Lage der französischen Armee durch das Ausbleibestder erwarteten Hilfstruppen und durch die drohenden Bewegungen der Tiroler,Steyrer und Kärntner bedenklich zu werden anfing. Um dieselbe Zeit, dadieser Friedensvertrag abgeschlossen ward, entstand im Rücken der französisch^«-nedig. Armee auf dem Gebiete der Republik Venedig eine Volksbewegung, infolgederen in Verona und in der Umgegend viele Franzosen ermordet, ja nEeinmal die Kranken und Verwundeten in den Hospitälern geschont wurdest-Dies ward von Napoleon zur Vernichtung des venetianischen Freistaats benutzt-Die Feigheit der aristokratischen Ratsherren, die, statt mutig Widerstand zuleisten und mit Ehren zu fallen, demütig die Gnade des stolzen Siegers amflehten und einem demokratischen Rat die Regierung überließen, erleichterte duAusführung des Plans. Schon im Mai zogen die Franzosen in Venedig em,führten die Schiffe und die Vorräte des Zeughauses weg, beraubten die Kirche»,Galerieen und Bibliotheken ihrer schönsten Zierden und kostbarsten Schatzeund hielten die Stadt beseht, bis die Unterhandlungen mit Österreich so wen17-Akt- gediehen waren, daß der Friede von Campo Formio, wodurch Oberitalrestals cisalpimsche Republik unter Frankreichs Herrschaft geriet, zum Abschlußkam. Österreich, das in diesem Frieden außerdem Belgien an die französisch^Republik überließ und in die Abtretung des linken Rheinufers wirMainz willigte, erhielt als Ersatz für die Verluste das Gebiet von Venedlgnebst Dalmatien. Die durch die Abtretung der jenseitigen Rheinlande zuSchaden gekommenen Fürsten, Prälaten und Edelleute sollten auf der rechte»Rheinseite entschädigt, und sowohl diese als alle übrigen, Deutschland ve-D-z-mb-r treffenden Punkte auf dem Kongreß zu Rastatt in Ordnung gebracht werden-' Diesen Kongreß eröffnete Napoleon selbst und begab sich dann nach Parrs, w»« mit Jubel begrüßt wurde. -
tz. 496. Gracchus Babeuf. Die Royalisteu. Die Herrschaft der fünfDirektoren, unter denen La Reveillsre-Lepeaux (Gründer der Gelen-schast der Theo-Philanthropen, Gott-und Menschenfreunde) und Carstvdas größte Ansehen besaßen, war sowohl den heftigen Republikanern als ve»Royalisten verhaßt, daher sie von beiden Seiten Angriffe zu erleiden ha» -Den ersten Versuch des Umsturzes machten die Republikaner unter der Mvrung des Gracchus Babeuf, der, ähnlich jenem römischen Volkstrrostst-dessen Namen er angenommen, Ausgleichung des Eigentums und eine neuGüterverteilung begründen wollte. Ihm schloffen sich einige der alten Jalbiner, namentlich Drouet, an. Sie gründeten den „Bund der Gleichen , oam Pantheon seine geheimen Sitzungen hielt. Die Verschwörung wurde en-deckt; nach einem Aufsehen erregenden Gerichtsverfahren stieß sich Babeuf oDolch in die Brust, die übrigen wurden teils hingerichtet, teils verbann -Größer war die Gefahr, welche der Direktorialregierung von Seiten oRoyalisten drohte. Als nach Ablauf des ersten Jahres laut der Verfaffustgs
Mai
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