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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
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Zeitalter der Revolutionen und Restaurationen. §. 498.

Wechselfälle aber erfuhr Neapel. Hier regierte der hartherzige und feige KönigrvliivmAerdinand, der sich nur mit Jagd und Fischerei befaßte und die Staats-Neävel geschäfte feiner leidenschaftlichen Gemahlin Karoline, einer Tochter derVsLs" Maria Theresia, überließ, die ihrerseits wieder von der berüchtigten BuhlerMLady Hamilton, der Gemahlin des englischen Gesandten, geleitet wurde.Erfüllt von tödlichem Haß gegen Frankreich und die königsmörderischen Re-publikaner und unterrichtet, daß die europäischen Mächte euren neuen Kriegs-zug beschlossen hätten, bestimmte die Königin ihren Gemahl, ein neapolitani-sches Heer unter dem österreichischen General Mack in den Kirchenstaat ein-rücken zu lassen. Die Franzosen wurden anfangs aus Rom zurückgedrängtN°v. u. und die Stadt besetzt; aber nach einigen Tagen rückten sie unter Champion-» 7"net wieder vor, schlugen die Neapolitaner in die Flucht und zogen in dasGebiet ihrer Feinde ein. Bestürzt und ratlos flüchtete sich der neapolitanischeHof nach Sicili en, ließ die eigene Kriegsflotte in Brand stecken und gab dieHauptstadt und das ganze Land den Siegern preis. Nun erhob sich aber, vonMönchen und Geistlichen angestiftet, das neapolitanische Volk. Scharen zer-lumpten Gesindels (Lazzarom), mit Bauern und Galeerensklaven verbunden,bemächtigten sich Neapels und erzeugten solchen Schrecken, daß der königlicheStatthalter nach Sicilien floh und Mack Schutz bei den Franzosen suchte-, Über Blut und Leichen rückte alsdann Championnet in die hartnäckig ver-teidigte Hauptstadt ein und errichtete die parthenopeische Republik. Alleangesehenen, gebildeten und von vaterländischen Gefühlen durchglühten Neapo-litaner schlössen sich mit Begeisterung der neuen Ordnung an, erfreut über dieErlösung von dem langjährigen Druck des königlichen und priesterlichen Despo-tismus. Im Jahr 1798 erfuhr auch die Schweiz eine Umgestaltung ihrerVerfassung. Bern und das damit verbundene Waadtland wurde von einemaristokratischen Großrat regiert, dessen Mitglieder sämtlich den patrizischeNFamilien angehörten. Von den französischen Republikanern aufgereizt, griffendie Waadtländer zu den Waffen, um sich von der Herrschaft der Bern'er freizu machen. Da sie aber den Gegnern nicht gewachsen waren, riefen sie dieHilfe Frankreichs an, worauf General Brune Bern besetzte, sich des reichenSchatzes und Zeughauses bemächtigte und dem Lande durch Kriegssteuerngroße Summen abpreßte. Unterstützt durch die demokratische Partei, Ochsvon Basel und Laharpe von Waadt an der Spitze, verwandelten die FraN-März zosen die Schweiz in die eine und unteilbare helvetische Republik Ntttu»8. Einer der französischen Direktorialverfassung nachgebildeten Staatsform. Um-sonst lehnten sich die katholischen Kantone am Vierwaldstättersee, auf Anstiftenihrer Priester, gegen diese Bestimmung auf und griffen zu den Waffen; nachdem tapfersten Widerstand und vielen blutigen Kämpfen wurden sie besiegtund gezwungen, der neuen Einrichtung beizutreten. Genf wurde mit Frank-reich verbunden. Zu gleicher Zeit landete eure kleine französische Heerabteilungunter Humbert in Irland, um die im Aufstand begriffenen Einwohner zN?? unterstützen, wurde aber von den Engländern zur Kapitulation gezwungen,worauf die Insel unter strenges Kriegsrecht gestellt ward. .

§. 498. Der zweite Koalitionskrieg (179899). Diese Vorgänge unvder gleichzeitige Feldzug Napoleons nach Ägypten und Syrien (§. 499)führten einen neuen Kriegsbund (Koalition) der drei europäischen Groß-mächte Rußland, England, Österreich gegen Frankreich herbei. In Ruß-land herrschte seit 1796 Katharinas ältester Sohn Paul. ein Fürst von excen-trischem Geiste, der gegen die Grundsätze der Revolution den höchsten Haßhegte und als warmer Verehrer des Malteserordens, zu dessen Großmeisterer sich ernennen ließ, in der Wegnahme der Insel Malta durch Napoleon

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