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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
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355
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Z- 498.

Die französische Revolution (Direktorialregierung).

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(8. 499) einen Grund zum Krieg erblickte. England fürchtete von der ägyp-tischen Unternehmung Gefahr für seine auswärtigen Besitzungen und streutedaher Geld mit vollen Händen aus, um den Franzosen neue Feinde zu bereiten.Österreich war mit der Direktorialregierung in Spannung, weil in Wienber einem Volksfeste die Wohnung des französischen Gesandten Bernadottegestürmt und die dreifarbige Fahne abgerissen und verbrannt worden war,ohne daß die österreichische Regierung die verlangte Genugthuung gegeben.

Der Krieg wurde in Deutschland, rn Italien, in der Schweiz und in denNiederlanden zu gleicher Zeit geführt. Nachdem die Franzosen von Erz-herzog Karl bei Stockach geschlagen und über den Rhein gedrängt waren, i?»».sollten die französischen Gesandten (Roberjot, Bonnier, JeanDebry), diebisher in Rastatt das Friedensgeschäft geleitet und durch Trotz und Übermutsich allgemein verhaßt gemacht hatten, die Rückreise antreten. Aber kaumhatten sie bei Anbruch der Nacht die Stadt verlassen, als sie gegen alles Völker-recht von Szekler Husaren angefallen, ihrer Papiere beraubt und so mißhandelt^-wurden, daß zwer sogleich starben und der schwer verwundete Jean Debrysich nur dadurch rettete, daß er in einen Graben kroch. Diese That erzeugteallgemeinen Abscheu und wurde von dem Direktorium benutzt, um das Volkzur Rache zu entflammen. Auch in Italien waren die Franzosen im Nachteil.

In wenigen Wochen eroberten die Russen unter Suwarow die cisalpi-nische Republik,nachdem Moreau Lei Cassano und Macdonald, welcherdie französische Armee aus Neapel herbeiführte, an der durch Hannibals Sieg 27 . Aprilberühmten Trebia überwunden worden. Die blutige Niederlage der Frau- 17. bisis,zosen in der Schlacht bei Novi, wo der junge talentvolle General Joubertden Heldentod starb, vollendete den Verlust Italiens^ Diese Wendung derDinge war für die parthenopeische Republik der Todesstoß. Kaum hattedie französische Armee Neapel verlassen, so erstürmte der grausame Kardinal i»- JuneNusfo mit Banden calabrischer Bauern und wütender Lazzaroni die StadtUnd der Hos kehrte aus Sicilien zurück. Nun erging ein furchtbares Straf-gericht über die Republikaner in Neapel. Unterstützt von Admiral Nelson,der mit seiner Flotte vor der Stadt lag und sich durch die Reize der LadyHamilton zu einer schmachvollen Rache gebrauchen ließ, verübte die königlicheLegierung und die Priesterschaft Thaten, vor denen die Greuel der französischenSchreckenszeit in Schatten treten. Nachdem das Rauben und Morden derLazzaroni vorüber war, begann das Geschäft der Blutrichter, Henker undKerkermeister. Alle Teilnehmer, Anhänger und Förderer der republikanischenEinrichtungen wurden verfolgt. Über viertausend der gebildetsten und ange-sehensten Männer und Frauen starben auf dem Blutgerüste oder in gräß-lichen Kerkern. Denn gerade der edelste Teil der Nation, der das Volk ausseiner Versunkenheit und Verdumpfung erlösen wollte, hatte sich mit vater-ländischer Begeisterung der neuen Ordnung angeschlossen. Der greise FürstEaracciöli, Ferdinands früherer Vertrauter und Nelsons Freund, wurdean einer Segelstange aufgeknüpft und dann, mit einem Gewichte beschwert,den Wellen übergeben. Auch m Rom wurde die republikanische RegierungAufgelöst, worauf der neue Papst Pins VII. wieder den Vatican bezog. Nachber Eroberung Italiens überstieg Suwarow die unwegsamen Eisberge derAlpen, um die Franzosen, die bisher in der Nähe von Zürich unter Massen«wit wechselndem Erfolg gegen die Österreicher und eine zweite russische Heer-abteilung gestritten, auch aus der Schweiz zu vertreiben. Auf diesem Feld-Zuge kämpften die russischen Heere mit unglaublichen Beschwerden und Gefah-*cu. Auf Gebirgspässen, die bis dahin nur dem einzelnen Wanderer zugänglichwaren, auf dem Gotthard, an der Teufelsbrücke, wurden gegen Natur und

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