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8- 509. Napoleon Bonapartcs Machtherrschaft (Austerlitz. Preßburg).
Mehr, mit unermeßlicher Kriegsbeute beladen, das russisch-österreichische Heerunter beständigen Gefechten nach Mährm verfolgten, den Sieg. In Mährenkam es am Jahrestag der Kaiserkrönung zu der Dreikaiserschlacht von Auster-M, wo die Wintersonne den glänzendsten Sieg Napoleons beschien. KaiserFranz, die Beendigung des Krieges wünschend, ließ sich zu einem demütigenBesuch bei Napoleon im französischen Lager bereden und willigte dann in einenWaffenstillstand, worin der Abzug der Russen aus den österreichischen Staa-ten bedungen ward. Hierauf wurden Unterhandlungen eingeleitet, die schonUach wenigen Wochen den Preßburger Frieden herbeiführten. In diesem Frie-den verlor Österreich das venetianische Gebiet, welches mit dem König-reich Italien verbunden ward, Tirol, das an Bayern fiel, und Vorder-d st erreich, wovon der Breisgau und die Länder im Schwarzwald an Badenkamen. Bayern und Württemberg erhielten den Rang von Königreichen,Baden den eines Großherzogtums, und alle drei traten zu dem Napoleoni-ichen Kaiserhaus in Verhältmsse der Verwandtschaft. Die Tochter des neuenKönigs MaxJoseph von Bayern wurde mit des Kaisers adoptiertem Stiefsohne,Eugen Beauharnais verheiratet; in Württemberg mußte die edle Fürsten-tvchter Friederike Katharine die Ehe mit Napoleons leichtfertigem BruderHieronynrus eingehen, der kurz zuvor auf Befehl des Kaisers von seiner bür-gerlichen Gattin Elisabeth Patterson aus Baltimore geschieden worden war;und in Baden vermählte sich Karl, der Enkel des trefflichen Großherzogs KarlFriedrich, mit der von Napoleon adoptierten Stephanie Beauharnais,einer Nichte der Kaiserin Josephine. Die Länder am Niederrhein wurden zueinem Großherzogtum Clevc-Berg mit der Hauptstadt Düsseldorf ver-gingt und dem Schwager des Kaisers, Joachim Murat, verliehen. AuchHolland mußte seine republikanische Verfassung gegen eine monarchische um-tauschen und sich einen Napoleoniden alsHerrscher auskitten, worauf der fran-Msche Kaiser seinen Bruder Ludwig zum König von Holland ernannte.Bor allem erfuhr die Königsfamilie von Neapel den Zorn des Machthabers.Während des Kriegs war eine russisch-englische Motte in Neapel gelandet undUon Ferdinand und Karoline mit Freuden begrüßt worden. Da unterzeichneteNapoleon am Tage nach dem Abschluß des Preßburger Friedens in Schönbrunndas Dekret, das den berüchtigten Sah enthielt: „Die Dynastie der Bour-donen in Neapel hat aufgehört zu regieren". Hierauf wurde Joseph
Bonaparte zum König von Neapel ernannt und durch ein französisches^ '. cm,.-.!.- r.-" ^rjt
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Heer in seine neue Würde^eingesetzt. Die königliche Familie, die^umson
Kalabre
durch Bitten, dann durch Aufwiegelung der Lazzaroni nnd jBerlust des schönen Landes abzuwenden suchte, flüchtete sich mit ihren Schätzenund Freunden nach Sicilien, wo sie unter dem Schutze der Engländer bis zuNapoleons Sturz lebte. In den eroberten und abgetretenen Gebietsteilen vonItalien wurde eineAnzahl Reichslehen mit beträchtlichen Einkünften gegrün-det und an französische Marschälle und Staatsmänner mit Herzogstiteln ver-üben. Als zwei Jahre später Joseph durch den Machtspruch des kaiser-«chen Bruders zum König von Spanien ernannt ward (H. 515), erhielt derSchwager Joachim Murat die Krone von Neapel. — Nach der SchlachtdM Austerlitz wagte der preußische Botschafter Haugwitz die Aufträge seinesHofes dem siegreichen Kaiser nicht mitzuteilen; ohne in Berlin anzufragen,ueß er sich teils durch die Drohungen, teils durch die gewinnende Freundlich-st Napoleons zur Unterzeichnung eines nachteiligen Vertrages bewegen, worin-Preußen die fränkische Markgrasschaft Ansbach, einige Länder am Nieder-en ein und das Fürstentum Neuenburg in der Schweiz gegen Hannoverumtauschte. Umsonst sträubte sich der König gegen den Tausch, der ihn mitEngland zu verfeinden drohte; durch den schnellen Abschluß des Preßburger