8- 522. Napoleon Bonapartes Machtherrschaft (Aftern. Wagram. Tirol). 375
Wien (oder Schönbrunn), wodurch das österreichische Reich abermals um2000 Q.-M. und drei Millionen Einwohner verkleinert wurde, den Tirolernalle Aussicht auf Hilfe benahm, und die Bayern und Franzosen von drei SeitenMit verstärkter Heeresmacht in das Land einrückten, da wurde der Aufstandgebrochen. Innsbruck fiel wieder in die Gewalt der Bayern; Speckbacher undandere Führer suchten ihr Heil in der Flucht; aber Hofer, der, durch falschenRat verführt, von neuem zu den Waffen gegriffen hatte, wurde in einer Senn-hütte, wo er sich zwei Monate lang mit seiner Familie verborgen gehalten,entdeckt und in Mantua erschossen. Er starb mit dem Mute eines Helden, M».hochgeehrt von seinem Volke. Tirol wurde in drei Teile geteilt.
Z. 522. Während des zweiten österreichischen Kriegs wurden in verschie-denen Gegenden Deutschlands Versuche gemacht, das fremde Joch abzuschüt-teln. In Kurhessen versuchte der Oberst von Dörnberg durch einen Los.Aufstand den König von Westfalen zu stürzen. Das Mißlingen dieser Unter-nehmung schreckte den tapfern Major von Schill nicht ab, in PreußenÄhnliches zu wagen. Mit einer Schar kühner Freiwilliger hoffte er den deut-schen Norden gegen die fremde Zwingherrschaft aufzuregen. Aber die Furchtvor dem gewaltigen Schlachtenkaiser lähmte den Arm des Volks. Vom Feindeverfolgt warf sich Schill in das feste Stralsund, in der Absicht, von dortaus seine Einschiffung nach England zu bewerkstelligen. Allein Lei einemSturm fiel er mit den meisten seiner Waffenbrüder unter den Säbeln feind-licher Reiter; die übrigen kamen in Kriegsgefangenschaft, worauf die Offiziere,sämtlich junge Männer unter dreißig Jahren, in Wesel und Braunschweig er-schossen, die Gemeinen aus französische Galeeren gebracht wurden. — Glück-licher war Herzog WilhelmvonBraunschweig, der heldenmütige Sohndes Feldmarschalls. Mit seiner „schwarzen Schar" war er den Österreichernzu Hilfe gezogen, verschmähte aber den Waffenstillstand von Znaim, weil manihn nur als österreichischen Feldherrn, nicht als selbständigen Reichsfürsten be-handelte, und schlug sich mit unglaublicher Kühnheit durch feindliche Länderund Heere bis an die Nordsee durch, von wo er sich mit seinen Begleitern nachEngland rettete. „Das ist ein tapferer Kriegsmann!" soll Napoleon ausgerufenhaben, als er die verwegene That des „unbesiegten Welsen" vernahm. Auchder von dem Naumburger Jüngling Staps unternommene Mordversuch gegen ^zos.*'Napoleon in Schönbrunn beurkundete die tiefe Aufregung der Gemüter. VonGeneral Rapp ergriffen und seines Vorhabens geständig, wurde er zum Todegeführt. — Waren auch Schills und Dörnbergs Unternehmungen tollkühn undunbesonnen, so waren sie doch als Beweise von der im Volke herrschenden Ge-sinnung und neuerwachten Vaterlandsliebe von Bedeutung. Diese Gesinnungdnirde'hauptsächlich in Preußen genährt und gefördert. Hier hatten nachden Unglückstagen von Jena und Tilsit vaterländische Männer die Leitung derDinge übernommen und die charakterlose altpreußische Partei aus dem Ratedes Königs verdrängt. Der hochsinnige Freiherr vom Stein suchte denBürger- und Bauernstand zu heben, indem er eine freisinnige Städteord-Uung einführte, das Erwerben von Grundeigentum für jedermann mög-lich machte, die bäuerliche Erbunterthänigkeit aufhob, die Gewerbefreiheit er-weiterte und die mittelalterlichen Standesvorrechte beschränkte. Damit wurdeder Grund zu einem gleichberechtigten Staatsbürgertum gelegt; es war, wieStein selbst sagt, der unerschütterliche Pfeiler jedes Thrones, der Wille freierMenschen, gegründet. Der leitende Grundsatz des großen Staatsreformators^ar die Entfesselung der gebundenen Kräfte, die möglichste Beseitigung derSchranken für die Freiheit des Eigentums und der Person, die Belebung derArbeitsfreudigkeit und Betriebsamkeit, die Erweckung des Gemeinsinns und