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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
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8- 524.525.526. Napoleon Bonapartes Machtherrschaft (Rußland).

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6 . Der Krieg gegen Rußland (1812).

, Z. 524. Die Ausdehnung des französischen Reichs bis zur Küste der Ost-lee, wobei der Herzog von Oldenburg, ein naher Verwandter des russischenKaiserhauses, seines Landes beraubt wurde, zerriß vollends die FreundschaftMischen Alexander und Napoleon, die schon seit der Vergrößerung des Her-zogtums Warschau im Wiener Frieden erkaltet war. Die feindselige Ge-stnnung, die sich zuerst in der gereizten Sprache der Diplomaten und in Zei-tungsartikeln kund gab, wurde gesteigert, als die russische Regierung einenNeuen Zolltarif bekannt machte, welcher die Einfuhr französischer Waren er-schwerte. Beide Mächte rüsteten sich zum gewaltigen Kampfe. Der Kaiser vonRußland schloß unter Vermittelung der Engländer mit den Türken einen Frie-dn und brachte Bernadotte von Schweden, den Napoleon schwer beleidigthatte, auf seine Seite; der französische Kaiser dagegen trat mit Preußen undÖsterreich in ein Bündnis und erlangte dadurch beträchtliche Streitkräfte.Alexanders trotzige Forderung, daß die französischen Besatzungen PommernUnd Preußen sogleich verlassen sollten, führte die Kriegserklärung herbei.

§. 525. Im Mai erschien Napoleon mit seiner Gemahlin in Dresden,wo sich die Fürsten des Rheinbundes, sowie der Kaiser von Österreich und derKönig von Preußen einfanden, um dem Mächtigen, der jetzt halb Europa gegenRußland unter die Waffen rief, ihre Huldigungen darzubringen. Nach einemZehntägigen Aufenthalt in der glänzenden Fürstenversammlung eilte Napoleonzu seinem gegen eine halbe Million starken Heere, das mit mehr als 1000 Ka-nonen und 20000 Packwagen zwischen Weichsel und Riemen zerstreut auf-gestellt war. Der linke Flügel, größtenteils aus Preußen und Polen unterMacdonalds Führung bestehend, berührte die Gestade der Ostsee; derfechte, den das von Schwarzenberg geführte österreichische Hilfsheer mit^ner französischen und sächsischen Truppeimbteilung unter Reynier bildete,stand am untern Bug der russischen Südarmee gegenüber; das Hauptheer. dasNapoleon selbst befehligte und unter ihm die geübtesten Feldherren aus seinerAule, setzte im Juni über den Riemen und rückte in Wilna ein. Die Er-scheinung der Franzosen weckte in den Polen große Hoffnungen und kriegerischeBegeisterung. Der Reichstag von Warschau sprach die Wiederherstellungdes Königreichs Polen aus und beschloß die Bildung einer Generalkon-ioderation. ' Aber Volksbewegungen waren nicht nach Napoleons Sinn; erUntersagte die Erhebung in Masse und schlug die Begeisterung nieder, als erMärte, aus Rücksicht für Österreich könne er nicht in die Wiederherstellungder polnischen Republik in ihrer ganzen Ausdehnung willigen. Dennoch strittenPolnische Krieger unter Poniatowski und andern Führern mit gewohnterAbferkelt unser Napoleons Adlern, und das polnische Volk unterstützte nachKräften die fremden Truppen, die jetzt bei furchtbaren Regengüssen von WilnaM) Witepsk zogen. Moskau,das Herz von Rußland", war NapoleonsDel; bald aber merkte er, welchen gewaltigen Bundesgenossen die Russen ander Natur ihres Landes hatten. Die Wege waren ungangbar, die Zufuhr bliebPss; das arme, schlecht angebaute Land bot wenig Lebensmittel; Krankheitenwucherten die Zahl der Krieger und füllten die Hospitäler.

,. §. 526. Die russischen Feldherren Barclay de Tollh und Bagra-p M führten den Krieg nachParther-Art"; sie mieden eine Hauptschlacht undwaten den Kaiser immer tiefer ins Innere des Landes. Bei Smolensk kam esowrst zum Kampf; aber nachdem man einen ganzen Tag ohne EntscheidungMochten, verließen die Russen in der Nacht die in Brand geratene Stadt. Amandern Morgen fanden die Franzosen eine mit Blut getränkte und mit Leichen

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17 August.181-2,