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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
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Zeitalter der Revolutionen und Restaurationen. 8- 556' !

gegen rohe Barbaren zu schützen. Während die Fürsten des heiligen Bundes ^aus Liebe zur Ruhe ein christliches Volk den Streichen ungläubiger Mordban-den bloßstellten, zogen Scharen fremder Philhellenen unter Normannsu. a. Führung in das alte Vaterland europäischer Gesittung. Der englrscheDichter Byron widmete sein Talent, sein Vermögen und seine Thatkraft derSache Griechenlands, wo Klima und Anstrengung ihm bald den Tod gaben;und der reiche Genfer Eynard (f 1863) förderte den hellenischen Freiheits-kampf mit großen Geldsummen. Trotz der Zwietracht und Selbstsucht dergriechischen Führer war bis zum Jahr 1825 der Sieg größtenteils mit den !hellenischen Waffen. Da erlangte die Pforte eine mächtige Stütze in Mehe-med Ali, der als Pascha von Ägypten die Herrschaft der Mamelukenvernichtet und eine Staatsverwaltung und Kriegsmacht nach europäischem Zu-schnitt eingerichtet hatte, wobei abendländische Civilisation und morgenländi-scher Despotismus in einer unnatürlichen Mischung gepaart waren. Dieser ^schickte im Auftrage des Sultans seinen Sohn Ibrahim mit einem beträcht-lichen, vielgemischten Heere nach dem Peloponnes. Die kleinen zwieträchtigenGriechenscharen vermochten ihm nicht zu widerstehen; eine Stadt um dre an-dere fiel in seine Gewalt; über Blut, Leichen und Brandstätten ging der ZugIbrahims und seiner entmenschten Truppen. Von dem festen Tripolizzaaus, das sie sich zum Stützpunkt gewählt, wurde der Peloponnes und Liva- ^diens Küste zwer Jahre lang grausenhaft verwüstet, während die Kabinettedurch diplomatische Verhandlungen sich umsonst bemühten, dem Kriege EinhaltZu thun. Erst der Fall von Missolonghi führte eine Wendung der Dingeherbei. Als nämlich die schwerbedrängte Stadt sich nicht mehr halten konnte,machten die heldenmütigen Belagerten mit Weib und Kind einen Ausfall ausdie ringsum anstürmenden Feinde; der dritte Teil wurde erschlagen, Misfo-longhi ging in Flammen auf und alle Zurückgebliebenen fanden unter den ^

Trümmern ihren Tod. Der Schrei der Entrüstung, der deshalb durch ganz >Europa ging, weckte die Regierungen aus der Unthätigkeit auf. !

*i8ss!' 8- 555. Kurz zuvor war Kaiser Alexander zu Taganrog am Asowschen !

Meer schnell und unerwartet in Grab gesunken und sem Bruder Nikolausführte, da der ältere, Konstantin, schon früher dem Thron entsagt hatte, dasrussische Scepter mit starker Hand, nach der blutigen Unterdrückung der Ms°litärverschwörung derDekabristen", durch welche die Thronfolge und die >Verfassung geändert werden sollte. In England war das Staatsruder dengeschickten Händen des hochsinnigen Canning anvertraut, der auf der Höhedes Lebens seine Jugendträume und die Begeisterung für Griechenlands Be-freiung nicht vergessen hatte; und in Frankreich glaubte die Regierung derlauten Stimme der Philhellenen einige Beachtung zollen zu müssen, zumal da >Ws. um dieselbe Zeit die blutige Vernichtung der Janitscharenmacht in Kon-stantinopel, wobei 15 000 Mohammedaner eines gewaltfamen Todes starben, >die schadhaften Zustände des Reiches zutage kehrte und das civilisierte Europa ,mit Entsetzen über die Unmenschlichkeit der Türken erfüllte. Auf Canning» >Antrag schloffen daher die drei Mächte Rußland, England und Frank-reich einen Vertrag, wonach sie durch gemeinschaftliche Schritte die Pforte zurFreilassung der Griechen bewegen wollten. Eine vereinte Bundesflotte erschaununmehr in den Gewässern Moreas und verlangte von Ibrahim die RäumungderHalbinsel; als die Forderung zurückgewiesen ward, erfolgte die Seeschlachtvon Navarino, wo die türkisch-ägyptische Flotte von der europäischen See-macht vernichtet wurde. Diese Entscheidung kam so rasch, daß die verbün-deten Regierungen über das unerwartete Ereignis in Bestürzung ge-rieten. Darum blieb auch die Schlacht von Navarino ohne Folgen; und da