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Die neuromantische Litteratur und Kunst.
D nach Cannings Tod die für ihren Handel besorgten Engländer der PforteWieder günstiger zeigten, so beharrte der standhafte Sultan Mahmud, der seitver Vernichtung der Janitscharen durch Reformen im europäischen SinneWmeur Reiche neue Kraft eingeflößt, bei seinem Vorsätze, Griechenland nichtzu geben, und benahm sich gegen die Russen so trotzig, daß diese ihm den^kieg erklärten. Dies hob die Hoffnungen der Griechen. Während oie Streit-sucht der Osmanen in die Donauländer zog, wurde Ibrahim endlich durchdn französische Motte zur Räumung Moreas gebracht, worauf Kapodistriasaus Korfu zum Präsidenten des griechischen Staates eingesetzt ward. Die küh-len Kriegsthaten der Russen, die unter Diebitsch (Sabälkansky) den Balkanüberstiegen, nötigten endlich die Pforte im Frieden von Adrianopel demZarenreich einige günstige Bedingungen zu gewähren und GriechenlandsUnabhängigkeit anzuerkennen. Da man sich aber lange nicht über dieGrenzen vereinigen konnte, so dauerte in Griechenland selbst der Kampf nochewige Zeit fort, wobei der Admiral Miaulis die griechische Motte in die LuftMmgte, um sie nicht in fremde Hände kommen zu lassen. Endlich kamen dieWächte in London überein, aus Morea, Livadien, einem Teil von Thessalien,Mlböa und den Cykladen ein konstitutionelles Königreich zu bilden, über wel-ches (da mittlerweile Kapodistrias von den Brüdern Mauromichalis er-mordet worden) Otto I. aus dem bayerischen Fürstenhaus als Königeingesetzt ward. Seitdem strebte Griechenland, sich zu der Höhe eines civili-Nerten Staates zu erheben, dessen Formen es angenommen, ohne sich doch ausdem Zustande der Barbarei und des Räuberlebens ganz herausarbeiten zukönnen. Aus nationaler Eifersucht vertrieben die Griechen später die deutschenFremdlinge, die im Gefolge des Hofs eingezogen waren, und warfen somit dieblitzen moderner Bildung von sich.
7. Die neuromantische Litteratur und Kunst.
. Z. 556a. Deutschland. Die Jahre der heiligen Allianz waren die Blüte-zett der romantischen Litteratur und Kunst, deren Schöpfer und Träger hauptsächlichwe Bruder Schlegel (August Wilhelm und Friedrich) sowie die Dichter NovalisHardenberg) und Ludw. Tieck waren. Sie verließen die Bahn der religiösenAufklärung und des politischen Freimuts, flüchteten sich in das Mittelalter und in°.ie Beschaulichkeit des Morgenlandes. Der Wunderglaube und die religiöse Mystikeurer christlichen Vorzeit, das Minnewesen und der sinnliche Religionsdienst einerUntergegangenen Ritterzeit, die heilige Kunst des Mittelalters, die blütenreiche Dich-Wng der Morgenländer, das Volkslied und die sinnige Märchenwelt einer fernen^rgangenheit fesselten vorzugsweise ihr Interesse. Darum richteten sie ihren BlickZunächst auf die vergessenen Erzeugnisse der romantischen Litteratur, indem sie nachHerders Vorgang die Legenden, Sagen und Volkslieder der deutschen Vorzeit sam-welten und bearbeiteten; suchten dann die ritterliche Poesie der Spanier undItalien er durch Übersetzungen in Deutschland einzuführen und zogen die Mytho-logie sowie die daraus gegründete Poesie des Morgenlandes und des skandi-Uavischxa Nordens in den Kreis ihrer Thätigkeit. Der tiefsinnige Dante, dereiche Shakespeare, die spanischen Dichter Calderon, Cervantes u.a.m.wur-Mu von den Romantikern vortrefflich übersetzt und in Deutschland eingebürgert. DieSchlegel zeichneten sich besonders aus durch kritische und ästhetische Schriften,Urch geistreiche Forschungen aus dem Gebiete der Litteraturgeschichte, durchÜbersetzungen und durch die Hinweisung auf die Sprache, Litteratur und „Weisheit"vn Inder. Tieck erwarb sich den größten Ruhm durch die dramatische Bear-^srtung alter Volkssagen und Märchen (Genoveva, Kaiser Octa-v'anus, Fortunat u. a.); der frühverstorbene Fr. v. Hardenberg (Nova-
s. August1827.
1828.
14. Sept.1S2S.
Rat
IdSS.
184«.
A. W-Schlegel1767-1845.FriedrichSchlegel1772-182S.Novalis
1772-1901.Tieck
1773—1853.