406
Zeitalter der Revolutionen und Restaurationen. 8- 556 e.
Schnorr berufenen Jul. Schnorr („Nibelungen"; „Bibel in Bildern") eine erfolgreichei8?2. Wirksamkeit übten. So nahmen Lessing und Schirmer ihren Aufenthalt in Karls-ruhe. Und als im I. 1841 Cornelius einem ehrenvollen Ruf des Königs FriedrichWilhelm IV. nach Berlin folgte, erhielt auch in dieser Hauptstadt das Kunstlebeneinen neuen Aufschwung. Hier hat der fruchtbarste Künstler der neuern Zeit in derFreskomalerei, Wilhelm Kaulbach, nachdem er in Düsseldorf und München mit1874 . Not und Sorgen gerungen, einen seinen Talenten entsprechenden Wirkungskreis ge-funden, indem er es übernahm, das Treppenhaus des neuen Museums mit sechsBildern aus der Weltgeschichte zu schmücken. In diesen großartigen Schöpfungen(„Turmbau zu Babel", „Zerstörung von Jerusalem", „Homer", „Hunnenschlacht",„Kreuzzüge", „Zeitalter der Reformation") treten seine Vorzüge, Schönheitssinn inGestaltung und Farben und ideale Auffassung des geschichtlichen Lebens, aufs glän-zendste hervor. In neuester Zeit hat sich die deutsche Malerei mannigfaltiger gestaltet.Während Piloty in München („Sem vor der Leiche Wallensteins", „Nero auf denRuinen Roms") und sein Schüler Makart („Die Pest von Florenz", „KatharinaCornaro", „Einzug Karls V. in Antwerpen") der realistischen Richtung der fran-zösischen und belgischen Schule huldigten, hielt sich Anselm Feuerbach an denIdealismus der altitalischen Meister („Gastmahl des Plato", „Medea", „Titano-machie" u. a.). In Berlin erfreute sich die nationale Erinnerungen feiernde Kunsteines Adolf Menzel und Anton von Werner hochverdienten Beifalls. Der in^bäuer° Frankreich lebende Franz Winterhalter aus dem Schwarzwald hat sich als Genre-E- und namentlich als Porträtmaler, Defregger durch Scenen aus dem bayerisch-tirolischen Volksleben einen gefeierten Namen erworben. — Zu gleicher Zeit erreichteauch im Ausland, besonders in Frankreich und Belgien, die Malerei eine hohe?77g- Vollendung. Dort glänzte neben Gsrard, dem Historienmaler der Davidschen Rich-Robert bung, besonders Leop. Robert aus NeuchLtel, der Schöpfer des „historischen Genre"(797- voll Anmut und Harmonie in Form und Farbe, sowie Horace Vernet, dessen Ge-VEt schichtsbilder im Museum zu Versailles und die Scenen aus dem Heer- und Lager-rrW- leben der napoleonischen Zeit dem französischen Nationalstolz und Charakter vor allenD-Iacroix zusagten. In Delacroix, „einer gewaltigen titanischen Künstlernatur" („Dante'wss? und Virgil in der Barke nach der Höllenstadt", „Blutbad auf Chios" u. a.) und inD^aroch-Delaroche („Napoleon in Fontainebleau", „Verurteilung der Marie Antoinette",i 85 «. das Wandgemälde „Der Halbkreis" u. a. m.) erreichte die romantisch-realistischeKunstrichtung ihren Höhepunkt und ihren ergreifendsten Ausdruck. In den Nieder-landen fanden die großen Geschichtsbilder von Gallait („Abdankung Karls V."),Biesve („Kompromiß des niederländischen Adels"), Wappers („Septemberrevo-lution") und de Keyzer („Schlacht von Woringen") durch ihren kräftigen Realis-mus allgemeinen Beifall. In England erwarb sich Dav. Wilkie durch seine Dar-stellungen aus dem englischen und schottischen Volksleben den größten Ruhm. —'Piasm. Der Malerei trat auch die Plastik und Architektur würdig zur Seite. Wie MengsCanrwkl in der Malerei, so schuf Ant. Canova in der Bildnerei neues Leben durch die Hin-1822. Weisung auf die Meisterwerke des Altertums. Begabt mit einem feinen Sinn fürSchönheit und Anmut, wußte er seinen Statuen eine gewisse Grazie einzuhauchen,daher ihm auch vorzüglich die jugendlichen und weiblichen Gestalten gelangen. Aberbei seiner entschiedenen Neigung für das Weiche und Gefühlvolle gab er sich mehrund mehr der sinnlich-sentimentalen Geschmacksrichtung der Zeit hin und suchte lieberdurch theatralischen Effekt und gezierte Lieblichkeit als durch Ernst und Wahrheit zuThor- gefallen. Den ersten Rang unter den Bildhauern der neuen Zeit nimmt Alb. Thor-'Ao- waldsen ein, geboren zu Kopenhagen von geringen, aus Island stammenden Eltern-1844. Igjg seinem Freunde Carstens war auch ihm die antike Kunst die reiche Fundgrube,aus welcher er seine Ideale schöpfte. Die alte Götter- und Heroenwelt mit ihrerklaren, schönen Gestalt und Naivetät blieb stets das Reich, in welchem Thorwaldsens