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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
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Zeitalter der Revolutionen und Restaurationen. 8- 563.

die Thronfolge zu sichern. Diese Änderung mißfiel der apostolischen Par-tei, die ihr ganzes Vertrauen auf Ferdinands jüngeren Bruder Don CarlosSept- gesetzt hatte.' Kaum hatte daher der König die Augen geschlossen, so riefen dieAbsolutisten (Karlisten) Don Carlos als Karl V. zum König aus und er-regten einen Bürgerkrieg. Sie fanden Unterstützung in den nördlichen Land-schaften, namentlich bei den rauhen Bergbewohnern der baskischen Provin-zen. Angefeuert von Priestern und Mönchen, geleitet von kühnen und unter-nehmenden Bandenführern (Zumalacarregüy, Cabrera), erhoben drestreitbaren Basken ihr Schwert für den absoluten König, der sich in ihre*i8ss7 Mitte flüchtete. Um ihnen mit Erfolg zu widerstehen, suchte die bis zur Voll-jährigkeit Jsabellas zur Regentschaft berufene Königin Marie Christinedie Partei der Konstitutionellen und Liberalen für ihre Sache zu gewinnen,indem sie die Cortesverfassung wieder einführte und den Flüchtigen und Ver-bannten die Rückkehr in die Heimat gestattete. Auf diese Weise gestaltete sichder Thronstreit zu einem Bürgerkrieg und Prinzipienkämpf. Nachvielen blutigen Kämpfen erlangten dieChristinos" die Oberhand. Der^ 183 »?' General Espartero brachte in dem Vertrag von Bergara den karlistischenFeldherrn Maroto zur Niederlegunb der Waffen, worauf sich Don Carlosnebst seiner Familie und vielen Offizieren und Priestern nach Frankreich flüch-tete. In Spanien selbst geriet bald Espartero mit der Königin-Mutter lNeinen Streit, aus dem eine Menge neuer Parteikämpfe, Verfassungsänderungenund Palastintriguen hervorgingen. Espartero, zum Herzog von Vittorra^ . erhoben, war mächtig genug, die Entfernung Christinas auf einige Zeit zu be-18 «. Wirken und dann selbst die Regentschaft zu übernehmen. Aber bald wurde erAis durch General Narvaez, einen Anhänger der Köni^n-Mutter, gestürzt undzur Flucht nach England gezwungen. Von dieser Zeit an herrschte Christine

und nach Erreichung der Volljährigkeit auch ihre Tochter Jfaoella ganz nachden Eingebungen des Königs von Frankreich.

2. Die Äuliregierung und die Volkserhebungen der Jahre achtundvierfig

und nrunundvierfig.

») Die Jahre der politischen und soziale» Aufregung.

Z. 563. Das Julikönigtum, auf dem unsichern Boden der Volkssouve-ränität aufgerichtet, hatte viele Anfechtungen zu erleiden. Sowohl die An-hänger der Bourbons und des Königtumsvon Gottes Gnaden" (Legitim-sten, Karlisten) als die Republikaner grollten der neuen Ordnung undsuchten sie zu stürzen. Nur der wohlhabende Mittelstand, der, auf Erwerbund ruhigen Genuß des Erworbenen bedacht, in einer konstitutionellenMonarchie allein sein Heil und Ziel finden kann, war mit der Juliregierungzufrieden, und auf diesen stützte sich auch Ludwig Philipp vorzugsweise. Daaber der König verabsäumte, durch Ausdehnung des Wahlrechts und Vermin-derung des Census die weniger bemittelte Bürgerklasse am Staatslcben zu be-teiligen. so war die Zahl seiner Anhänger nicht groß. Auch verstand derKömgnicht, durch Großmut und edle Handlungen die Herzen der Franzosen zu ge-winnen. Im Besitze eines unermeßlichen Vermögens, benutzte er seine erhabeneStellung zu dessen steter Vermehrung und zog sich dadurch den Vorwurf derSelbstsucht, des Eigennutzes, des Geizes zu. Und dieser Vorwurf lastete auchmehr oder minder auf vielen seiner Räte, Minister und Beamten, denen niabGewinnsucht und Käuflichkeit Schuld gab, so daß in den Augen des Volks ausder ganzen Juliregierung der Makel derKorruption" lag und selbst dasrechtschaffene und musterhafte Familienleben des königlichen Hauses nicht dre