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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
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863 .

Die politische und soziale Aufregung in Frankreich.

Novbr.

1832.

I8S4.

Hsbührende Anerkennung fand. Die ersten Feindseligkeiten gegen das Bürger-kvnigtum und das Ministerium derrechten Mitte" gingen von den Legi-lrMisten aus- Aber der Haß des Volkes Wider die Bourbons war noch zumsch, als daß ihre Unternehmungen hätten gelingen können. Das Aufpflanzen is-ff-br.?er Weißen Fahne am Todestage des Herzogs von Berry erregte einen Aufstand,

Mfolge dessen der erzbischöfliche Palast zerstört wurde. Ebensowenig Fort-gang hatte der Versuch der Herzogin von Berry, die legitimistische Vendseunter die Waffen zu rufen. Als sie in Haft gebracht wurde und ein geheimesEhebündnis zutage kam, verschwand allmählich der romantische Zauber, derun der verwiesenen Königsfamilie haftete. Die Legitimisten, an ihrer Spitze^ greise Dichter Chateaubriand, gaben nunmehr die Hoffnung auf, ihrenAuserwählten, den Herzog von Bordeaux (Graf Chambord), welchen sieMrt dem prunkvollen Namen Henri-Quint schmückten, auf den Thron zuurmgen, und zogen sich schmollend in die Vorstadt St. Germain zurück.Gefährlicher für den Julithron waren die Unternehmungen der Republika-ner. Nachdem die offenen Empörungen in Lyon und Paris durch militäri-^Uoye Macht unterdrückt und die Urheber und Teilnehmer gestraft worden, stan-den sie von gewaltsamen Umsturzversuchen ab, strebten aber durch Verbreitungwrer Ansichten in der Tagespresse und in geheimen Verbindungen immer mehrAnhänger zu gewinnen. Der National, geleitet von Armand Carrelund, nach dessen Tod im Zweikampf, von Marrast, war das vielverfolgteund vielbestrafte Organ ihrer Partei. Bald spalteten sich jedoch die Republi-kaner in verschiedene Richtungen. Während die gemäßigten (honetten") Re-publikaner nur die bestehende Verfassung angriffen und in einer Umgestaltungdes Staatswesens ihr Ziel suchten, erklärten andere (wie Proudhon) dasEigentum für Diebstahl und drohten Krieg gegen alle Besitzenden, oder sieschmeichelten (wie Louis, Blanc) der Eigenliebe und dem Selbstgefühl derarbeitenden Klassen durch Überschätzung ihrer Leistung und Bedeutung, drangenaus Ausgleichung von Kapital und Arbeit, forderten bessere Belohnung undElcherstellung der letzteren durch den Staat. Alle diese trachteten nach Umge-staltung der sozialen Verhältnisse und suchten die von einigen Schwärmernund verschrobenen Köpfen ersonnenen Systeme des Sozialismus und Kom-munismus zu verwirklichen. Ohne Einsicht in das großartige Räderwerk desVölkerverkehrs legten sie an die menschliche Gesellschaft den kleinen Maßstabder Werkstätte und der Klubs.Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit" war ihreUsung und Haß gegen das Bürgertum (Bourgeoisie) der Kern ihrer Lehre.Wuchernd verbreiteten sich die kommunistischen und sozialistischen Jdeeen; inmn Schleier des Verbotenen und Geheimnisvollen gehüllt, erschienen sie- be-schränkten Köpfen und gedrückten Gemütern als tiefe Weisheit, als Anker derBettung aus Not und Armut. Mit der Zeit verbanden sich die französischenEozialisten mit den Gesinnungsgenossen anderer Länder zu einem Gesamt-erem , den man dieInternationale" nannte. Von der Ansicht geleitet, daßMZ französische Staatswesen nur durch die Gewandtheit und Klugheit deSOberhauptes zusammengehalten werde, trachteten die Glieder dieser geheimenVerbindungen dem König nach dem Leben, um in dem Augenblick oer Ver-wrrrung die Republik auszurufen und dann rasch zu den sozialen Reformen zuichreiten. Acht Mordanschläge wurden auf Ludwig Philipp unternommen,

W/r allen entging er mit wunderbarem Glück. Am schrecklichsten war dasAttentat, das bei der Feier der Julitage 1835 der Korse Fieschi vermittelstkmer sogenannten Höllenmaschine auf den Boulevards ausführte, wo-Urch achtzehn Personen in der Nähe des Königs, unter ihnen der greise-Verschall Mortier, umkamen. Fieschi und seine beiden Mitschuldigen