Buch 
Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
Entstehung
Seite
422
JPEG-Download
 

422

-Z. 568.

IS. Nov.1848 .

Februar

184 ».

3. Juli184 ».

1848 .

20- bis 2-Mürz184 ».

Zeitalter der Revolutionen und Restaurationen.

ß. 568. Nicht minder heftig waren die durch die Februarrevolution MItalien bewirkten Erschütterungen und Wechselfälle. In Sicilie» , wo eineprovisorische Regierung unter dem patriotischen Edelmann Ruggiero Settrinodie Fahne der Unabhängigkeit aufgepflanzt hatte, wurde der Kampf gegenNeapel über ein Jahr mit großer Kraft und Ausdauer fortgesetzt, ohne daß je-doch die unglückliche Insel imstande gewesen wäre, die nationale Selbständig-keit zu erringen. Der König von Neapel, stark durch gedungene Schweizertruppen,brachte die Sicilianer zur Unterwerfung und hob dann m Neapel die konstitu-tionelle Verfassung, die er in der Not gewährt hatte, gewaltsam wieder auf. 77In Rom wurde die Aufregung bald so mächtig, daß der schwache Papst Pins 1^-sie nicht mehr zu bewältigen vermochte. Umsonst verhieß er dem Kirchenstaateine konstitutionelle Verfassung und berief eine Ständeversammlung nach derHauptstadt. Sein Minister Rossi wurde auf der Treppe des Ständehausesdurch einen Dolchstich in die Kehle ermordet, worauf die Demokraten alle Ge-walt an sich rissen. Voll Schrecken entfloh der Papst verkleidet nach Gaötaund überließ seine Hauptstadt dem Pöbel und den Freischaren, die nunmehreine römische Republik errichteten und Hand an das Kirchenvermögen leg-ten. Mazzini, das thätige Haupt des jungen Italiens, und Garibaldi, derkühne Freischarenführer, geboten in Rom. Jetzt wendete sich der Papst an dieSchutzmächte des Kirchenstaats und bewirkte, daß eine französische Armee unterGeneral Oudinot, dem Sohn des Marschalls, vor die Mauern Roms rückteund die Wiederherstellung der alten Ordnung verlangte. Als diese verweigertwurde, schritten die Franzosen zur Belagerung, fanden aber so heftigen Wider-stand, daß sie erst nach wochenlangen blutigen Kämpfen und Stürmen in denBesitz der Stadt kamen. Die Republikaner suchten ihr Heil in der Flucht, eurefranzösische Besatzung nahm ihren dauernden Aufenthalt in Rom, und unterdem Schutze ihrer Bajonette kehrten allmählich die alten Zustände zurück. "7Auch in Toskana erlangten die Demokraten auf kurze Zeit die Oberhand undnötigten den Großherzog zur Flucht; aber die republikanische Staatssorwdauerte nur einige Wochen. Die merkwürdigste Umwandlung der Dinge gmgin Obcritalien vor sich. In Mailand und Venedig wurde die österreichisch^Besatzung durch Volksaufstände und Straßenkämpfe zum Abzug genötigt, wo-rauf in der ganzen Lombardei die Fahne der nationalen Unabhängigkeit aus-gerichtet ward. Dies erfüllte den König Karl Albert von Sardinien mit derHoffnung, sich des lombardisch-venezianischen Königreichs bemächtigen Mkönnen. Er erklärte an Österreich den Krieg und drängte, unterstützt von zaM°reichen italienischen Freischaren, in der ersten Zeit der Begeisterung unsÜberraschung, die feindlichen Truppen nach der Nordgrenze Italiens. Aberbald änderte sich die Lage der Dinge. Am 6. Mai bestand der 82jährigemarschall Radehky bei Santa Lucia unweit Verona ein glückliches GesEund am 25. Juli erlangte er bei Cnstozza einen zweiten blutigen Sieg, dedie Wiedereroberung Mailands und der ganzen Lombardei zur Folge hats^Der König von Sardinien floh bei nächtlicher Weile in seine Staaten zuruuund schloß mit dem Sieger eine Waffenruhe. Gedrängt von den Demokraten,versuchte Karl Albert im nächsten Frühjahr abermals das Glück der Waffem^Allein ein viertägiger Feldzug des alten Feldmarschalls am Tessin und bNovara setzte den Unternehmungen ein schnelles Ziel und vereitelte ine Homnungen der italienischen Patrioten. Karl Albert, an seinem Glück verzwerselno,entsagte der Krone zu Gunsten seines Sohnes Viktor Emanuel und flüchtsich auf verborgenen Wegen aus dem Lande seiner Väter, bis er in P 07 M 6