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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
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8- 569. 570. Die Pariser Februar-Revolution und ihre Folgen.

auf dem Wege liberaler Reformen und innerer Entwickelung ohne Störungfortgeschritten.Nur Venedig, unüberwindlich durch seine Lage, widerstandnoch einige Monate, unter der Leitung Manins, des Oberhauptes der neuenRepublik, dem österreichischen Belagerungsheer, bis innere Zerrissenheit undäußere Not auch die berühmte Lagunenstadt den alten Besitzern zurückgab.Run wurden überall die früheren Zustände wieder eingeführt.

§. 569. Noch gewaltigere Erschütterungen und Revolutionsstürme erfuh-ren mittlerweile Deutschland und üngarn. Während die konstituierendeNationalversammlung in Frankfurt über die neue Bundesverfassung beriet,wurde in Schleswig-Holstein ein blutiger Nationalkrieg gegen Dänemarkgeführt. Gestützt auf altes Recht, wonach die Herzogtümer Schleswig-Holsteinvereinigt bleiben und nur der Mannsstamm des oldenburgischen Für-stenhauses zur Erbfolge gelangen sollte, wünschten die kräftigen Bewohner die-ser Herzogtümer, bei dem bevorstehenden Erlöschen des dänischen Königshauses,vsn Anschluß an das stammverwandte Deutschland, unter dem rechtmäßigeneingeborenen Herzog von Augustenburg. Diese Hoffnung hatte der Königvon Dänemark, angefeuert von einer streng-dänischen Partei, durch denoffenenBrief", worin er die unlösbare Verbindung Schleswigs mit Dänemark undden ungestörten Fortbestand (Integrität) der dänischen Monarchie verkündete,niedergeschlagen. Als nun infolge der Februar-Revolution eine mächtige Be-rgung alle Staaten ergriff, glaubten auch die Herzogtümer durch eigene KraftMe Rechte verfechten zu müssen. Sie errichteten im Vertrauen aus deutscheHilfe, die ihnen in vielen Adressen zugesagt war, eine provisorische Landes-regierung, bis ihre rechtliche Stellung gesichert wäre. Die Frankfurter Cen-tralregierung erkannte das Recht des Landes an und bestellte eine Statthalter-schaft. Dies war die Losung zum Krieg. Das deutsche Volk nahm sich des vonoen Dänen angegriffenen Landes eifrig an. Freischaren, darunter viele Studen-^u und hoffnungsvolle Jünglinge, wägten Leben oder Gesundheit im gerechtenDampfe, bis deutsche Bundestruppen unter preußischer Führung Schleswigvon den Dänen befreiten. Aber bei dem Mangel einer deutschen Kriegs-flotte war der Kampf ein ungleicher und der nördliche Seehandel erlitt großeVerluste und Störungen. Dieser Umstand und die Parteinahme Rußlandsvnd Englands zu Gunsten der Dänen bewirkten, daß die preußische Regierung,oer die deutsche Centralgewalt die Ordnung der schleswig-holsteinischen Frageanheimgegeben hatte, sich auf diplomatische Unterhandlungen einließ und denAonig ehrenvollen Waffenstillstand von Malmö abschloß. Und als dieFrankfurter Nationalversammlung nach langen und heftigen Kämpfen diesemWaffenstillstand beitrat, nahmen die deutschen Republikaner, die mit der be-gonnenen Mäßigung des Parlaments schon längst unzufrieden waren, den-Muß zum Vorwand, um vermittelst eines Aufstandes und Straßenkampfes^ Frankfurt die Versammlung in der Paulskirche zu sprengen und dann densfwsturz und die Republik durchzuführen. Durch die herbeigerufenen Bundes-vvuppm wurde das Vorhaben vereitelt, aber die grausenhafte Ermordung derveu>en Parlamentsglieder Auerswald und Lichnowski durch PöbelscharenM der Bornheimer Heide lieferte den schrecklichen Beweis, bis zu welchemGrade die Roheit und Verwilderung in der aufgeregten Volksmasse bereitsbestiegen war.

A . 8- 570. Diese Verwilderung zeigte sich bald nachher im österreichischen»earstrstaat in zwei nicht minder greuelvollen Thaten. Die Ungarn, schon langemagyarische Eiferer gegen Österreich aufgereizt, strebten nach nationaler^oständigkeit. Unabhängig von der kaiserlichen Regierung in Wien sollte"s Königreich üngarn eine eigene Verwaltung und ein gesondertes Staatsleben

25. Aug.181».

8. Juli18L6.

26. Auq.1818.'

18 . Sept.