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Zeitalter der Revolutionen und Restaurationen. 8- 57o-
selben aufforderten. Preußen weigerte sich eine Zeitlang, dieser Aufforderungnachzukommen und bei der Wiederherstellung des Bundestages mit-zuwirken; es vereinigte die Unionsregierungen' zu einem Fürstenkolle-gium, rief seine Heere unter die Waffen und nahm eine kriegerische Hal-tung an. Nun schien ein Kampf unvermeidlich, und die Zerwürfnisse MKurhessen, wo die Regierung bisher zur Union gehalten, jetzt aber in einemStreite mit den Ständen über Verfassungsverletzung sich an die Bundesver-sammlung in Frankfurt um Hilfe wendete, mußten eine Entscheidung herbei-führen. Während österreichische und bayerische Bundestruppen von Süden herin das Kurfürstentum einrückten, besetzten die Preußen ihre Militärstraßen.In der Gegend von Fulda kamen sich dre Heere so nahe, daß ein kleines Vor-postengefecht erfolgte und das Volk mit gespannter Erwartung seine Blicke nachdem Lande richtete, wo die deutsche Frage entschieden werden sollte. AllemAs; durch eine persönliche Zusammenkunft der preußischen und österreichischen Mi-nister in Warschau und Olmütz wurde der Streit auf friedliche Weise aus-geglichen. Die preußischen Truppen zogen sich zurück und überließen das W-fische Land den Bundestruppen, die nun den Verfassungskampf nach dem Wunschder Regierung zu Ende führten. Der Schmerz über diese Demütigung brachdem Grafen von Brandenburg das Herz. Der Tag und die Politik von Ol-mütz wird mit Recht als dieZeit der tiefsten Erniedrigung Preußens betrachtet-Dezbr. Auf den Dresdener Konferenzen wurde der letzte Versuch gemacht, diedeutschen Bundesverhältnisse auf neuer Grundlage zu ordnen; da man aberbei den verschiedenartigen Interessen auch hier zu keinem befriedigenden Resul-tate gelangen konnte, so blieb die Wiederherstellung des Bundestages Mseiner früheren Gestalt der einzige Weg der Vereinigung; daher denn auchPreußen und die mit demselben noch verbundenen Regierungen ihre Zustim-mung zu dieser Wiederherstellung nicht länger zurückhielten.
tz. 575. Durch diefe Zerrissenheit und Parteiung nahmen auch die Dingein Schleswig-Holstein eine schlimme Wendung. Im März 1849 hatte derKampf von neuem begonnen, und wie ein Lichtstrahl in dunkler Nacht flogbald die Nachricht durch das Vaterland, daß deutsche Truppen im Hafen vonEckernförde durch Strandbatterieen das dänische Linienschiff „Christian Vlll."in Grund geschossen und die stolze Fregatte „G efion", nach Vernichtung ihresSteuerruders, zur Ergebung gezwungen. Siegreich rückten die Deutschen baldbis nach Fridericia vor und belagerten diese Grenzfestung. Da aber duThätigkeit der preußischen und deutschen Bundestruppen durch die mit Dä-nemark angeknüpften Friedensunterhandlungen gelähmt wurde, so fandendie Feinde Gelegenheit, die Besatzung vonFnderina zu verstärken, dann durcheinen unerwarteten Ausfall die deutsche Armee zurückzuschlagen und sich derlÄs. Schanzen und des Belagerungsgeschützes zu bemächtigen. Nun kam eine neueWaffenruhe zustande, infolge deren Schleswig unter neutrale Verwaltung ge-stellt und von preußischen und schwedischen Truppen besetzt wurde. Dieseris-v. Waffenstillstand wurde im nächsten Jahre in einen Frieden verwandelt, wonachSchleswig-Holstein wieder in das frühere Verhältnis zu Dänemark zurückkeh-ren sollte. Aber die während des Kriegs von der deutschen Centralgewalt ein-gesetzte Statthalterschaft trat diesem Frieden nicht bei und beschloß nachdem Abzug der preußischen Besatzung ihr gutes Recht mit eigenen Kräften undmit freiwilliger Hilfe des deutschen Volkes zu verfechten. Unter der Führungdes ehemaligen Preußischen Generallieutenants v. Willisen rückten die schles-Wig-Holsteinischen Truppen zugleich mit den Dänen in Schleswig ein; aber dieJun' blutige Schlacht bei Jdstedt'entschied sich zum Nachteil der ersteren. Willisenzgg sich nach der Festung Rendsburg zurück, worauf Schleswig von dänischen