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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
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8 . 581 -

Neueste Geschichte.

20. Sept.1851.

SS. Sept.

1851.

17. Okt.1851.

25. Okt.

5. N-o.1851.

Z. 581. Der Krieg in der Krim. Fünfzehntausend Mann der ver-bündeten Armee waren bereits dahingerafft worden, als man im Kriegsrat inVarna den Entschluß faßte, die feste Stadt Sebastopol, den mächtigen Kriegs-hafen der Halbinsel Krim, anzugreifen, um die russische Seemacht im schwar-zen Meere zu vernichten. Anfangs September landete die Flotte mit der ver-einigten Kriegsmacht bei Eupatoria an der Westküste der Halbinsel. Süd-wärts von dieser Stadt bildet das Meer eine Bucht, in welche sich neben denRuinen der alten Bergstadt Jnkerman das Flüßchen Tschernaja ergießt. Aufder Südseite liegt die befestigte Stadt Sebastopol, auf der Nordseite warenstarke Festungswerke angebracht zum Schutz der Kriegsflotte, die in der alsHafen dienenden Bucht vor Anker lag. Weiter nordwärts wird das westlicheRandgebirge von dem Flusse Alma durchbrochen, über welchem Fürst Men-schikow, Gouverneur der Krim, mit einer Landarmee von 30000 Mann dieHöhen besetzt hielt. Gegen diese richteten die Verbündeten zuerst ihren Angriff;und wie fest auch die Stellung der Russen über den steilen Felsenusern war,und wie tapfer sie den Feinden begegneten: als der französische General Bos-quet mit den Zuaven, einer leichten Infanterie in arabischer Tracht, einenunerwarteten Flankenangriff machte, wurde Menschikow zum Rückzug genötigtund verdankte seine Rettung von gänzlichem Untergänge nur dem Mangel ästReiterei im Heere der Verbündeten. Der schwer errungene blutige Sieg an derAlma ließ eine rasche Beendigung des Feldzugs hoffen, und eine falsche Bot-schaft verkündete schon den ängstlich harrenden Völkern die Einnahme derFestung. Aber so schnell und glücklich sollte das Bollwerk der russischen Herr-schaft im schwarzen Meere nicht fallen! Da die Verbündeten nach der Schlachtan der Alma nicht sofort zum Angriff schritten, so fand Menschikow Zeit, dieBesatzungstruppen zu verstärken und die Stadt von allen Seiten mit neuestFestungswerken zu umgeben, wobei ihm Todleben, ein genialer Artillerie-offizier, der während der Belagerung bis zum Range eines Generals empor-stieg, treffliche Dienste leistete. Zugleich ließ er sieben große Kriegsschiffe imHafen versenken, um der feindlichen Flotte das Einlaufen unmöglich zu machen.Als die Verbündeten in die Nähe der Stadt gelangten, überzeugten sie sich bald,daß vor solchen Festungswerken jeder Sturm zurückprallen würde, daß sie dieAnkunft neuer Geschütze und Kriegswerkzeuge abwarten und mittlerweile zueiner regelmäßigen Belagerung schreiten müßten. Zu dem Zweck wurden imSüden von Sebastopol Lagerstätten ausersehen, wo die Truppen vor plötzlichenÜberfällen geschützt waren und mit dem Meer in Verbindung blieben. Baldnachher starb St. Arnaud auf dem Schiffe, das den siechen Feldherrn nachKonstantinopel führen sollte, ein Mann, den nach einer sittenlosen Vergangen-heit seine geniale Natur und sein kühner Geist hoch emporgehoben hatte überdie Menge. An seiner Stelle übernahm General Canrobert den Oberbefehl.Nun begann ein Belagerungskrieg, wie die Weltgeschichte nur wenige auszu-weisen hat. Der erste Versuch, durch einen vereinten Angriff des Landheeresund der Flotte die Stadt zu erstürmen, endete mit einem verlustvollen Rückzugder Verbündeten. Acht Tage später wurden die Engländer in ihrer festen Stel-lung bei Balaclava von General Liprandi angegriffen, wobei die Reitereiunter Lord Cardigan, die sich tollkühn und unüberlegt in einen ungleichenKampf stürzte, unersetzlichen Schaden litt. Am 5. Nov. wurde unter bestAugen der beiden Großfürsten Nikolaus und Michael die mörderische SchlachtVon Jnkerman geliefert, die nach furchtbaren Kämpfen und Anstrengungenendlich zu Gunsten der Verbündeten entschied. Auch in ihren Reihen befandensich zwei fürstliche Personen, der Herzog von Cambridge und Prinz Napoleon,Sohn des ehemaligen Westfalenkönigs Jerome.