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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
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- 8 - 582 . 583 .

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2. Dez.18ö«.

26^ Jan.

Die Westmächte und Rußland.

8- 582. Der Winterfeldzug vor Sebastopol. Die blutige,Schlachtvon Znkerman mehrte nur die Leiden, brachte aber in der Lage keine Änderunghervor. Man mußte sich zu einem Winterfeldzug entschließen, wozu keine Vor-bereitungen getroffen waren. Seit dem russischen Feldzuq vom Jahre 1812hat kein Heer solches Elend, solche Not und Entbehrung gelitten, wie die Sol-daten in der Krim während des Winters 1854 auf 1855. Schon im Herbsttraten Stürme und Regengüsse ein, wodurch die Laufgräben in Kanäle ver-wandelt, die Zelte oft Fuß hoch mit Wasser gefüllt wurden. Der Mangel anwarmer Kleidung, hinreichender Nahrung, gesunder Verpflegung, verbundenwrt dem beschwerlichen Felddienst bei naßkalter Witterung ohne Obdach undQuartier, erzeugte Krankheiten aller Art und bereitete der Cholera und RuhrMre reiche Ernte, gab aber auch der Humanität und Christenliebe ein weitesMd zur Entfaltung der uneigennützigsten Wohlthätigkeit. BarmherzigeSchwestern und englische Frauen, vor allen Miß Nightrngale, waren mitedler Aufopferung bemüht, die Leiden nach Kräften zu mildern. Der geringeFortgang -er Kriegsoperationen vor Sebastopol ermutigte den russischen KaiserZum beharrlichen Widerstand. Er verwarf die vier Punkte, die ihm in einerUeueu Note als Friedensbedingungen angeboten wurden, obwohl Österreich undPreußen dieselben unterstützten. Nun trat Österreich dem Bunde der West-Wächte bei und stellte in Siebenbürgen und Galizien ansehnliche Streitkräfteauf. Ein beträchtliches Anlehen und die Verpachtung der Staatseisenbahnenan eine französische Gesellschaft auf neunzig Jahre sollte die dadurch vermehrtenAusgaben decken. Einige Wochen nachher schloß auch Sardinien einen BundWit Frankreich und England und sandte den General Lamarmöra mit einemHeer von 15000 Mann nach der Krim, wo sie bald Gelegenheit fanden, an derAchernaja sich durch kriegerischen Mut hervorzuthun. Preußen und die deut-schen Bundesstaaten dagegen beharrten bei ihrer Neutralrtät. Mit dem neuenJahr wurde von allen Seiten frische Mannschaft und Kriegsbedarf abgeschicktsM der Kampf mit verdoppelter Energie fortgeführt. Aber Kaiser Nikolauswüte den Ausgang nicht erleben. Die Nachricht, daß der Angriff des GeneralsHhrulew auf Eupatoria an der Festigkeit der Verschanzungen und an der4-apferkeit der türkischen Besatzung unter Omer Pascha gescheuert sei, und an-dere Unfälle wirkten so mächtig auf den stolzen und starren Geist des schonMige Zeit kränkelnden Herrschers, daß er unerwartet schnell starb. Sein Sohn 2 . März.Alexander II., ein humaner Fürst von milderer Gesinnung, wurde sein Nach-wlger. Dieser war einer friedlichen Ausgleichung des schrecklichen Krieges mehrgeneigt als der Vater. Dennoch verlangte die Ehre der Nation und die Achtungvor dem verstorbenen Kaiser, daß man alle Kräfte anstrenge, um den Kampfzv einem rühmlichen Ende zu führen. Aber auch die Ehre Frankreichs und desvapoleonischen Kaisertums forderte eine rühmliche Lösung des blutigen Waffen-Zo.nges, dem bereits so große Opfer gefallen. Darum nahm der Belagerungs-g seinen ununterbrochenen Fortgang. Die Verbündeten rückten ihre Lauf-gräben und Schanzwerke immer näher an die Stadt, und Todleben schuf inoem sogenanntenMalakowturm" ein fast uneinnehmbares Bollwerk.

. 8-583. Ausgang des Kriegs. Den ganzen Sommer hindurch dauerte

?er Riesenkampf vor Sebastopol. Unterdessen segelte ein Teil der Bundesflottern das Asowsche Meer und richtete in den Hafenstädten Kertsch, Jenikale, Ta-Wnrog u. a. O. arge Verwüstungen an. Der Oberbefehl ging in beiden Heer-lagern in andere Hände über. Auf russischer Seite wurde Fürst Gortscha-»?w zum Oberfeldherrn ernannt, im französischen Heere trat der energievolleGeneral Pelissier an die Stelle von Canrobert, und als am 28. Juni Lordaglan von der Cholera hingerafft wurde, wechselte auch im englischen Lager

10. Febr.1855.