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Neueste Geschichte.
tz. 586.
die Reisen der Russen nach den Kulturländern Europas wurden begünstigt;ein Ministerium der Volksaufklärung sorgte für Hebung des Unterrichts, MMehrung und Pflege der Schulen; der Geistes- und Gewissensdruck, derfrüher auf den Juden wie auf den mchtgriechischen Christen gelegen, wurde be-seitigt, die Rechtspflege durch Einführung der Schwurgerichte verbessert. Meeingreifendste Reform aber war die in Gang gesetzte Aufhebung der Leib-eigenschaft und Gründung freier Bauerngemeinden mit Grund-eigentum, eine Maßregel, welche eine vollständige Umgestaltung aller sozia-len, finanziellen und wirtschaftlichen Verhältnisse des Staates herbeizuführenbegann. Zugleich wurde die Herrschaft Rußlands in Asien befestigt und aus'gedehnt und der Handel befördert. Schamyl, der alte Erbfeind in TscherkEsien, wurde zur Ergebung gezwungen und in russische Gefangenschaft geführt,Wo er zwölf Jahre später starb.
Z. 586. Parteistellung in Polen. Kaiser Alexander II. dehnte duReformthätigkeit, die er in Rußland begonnen, auch über Polen aus, wo audie Stelle des alten Fürsten Paskiewitsch, der kurz vor Abschluß des PariserFriedens aus der Welt gegangen war. Fürst Michael Gortschakow, derVerteidiger von Sebastopol, als Statthalter trat. Eine Amnestie gestattenvielen polnischen Flüchtlingen die Rückkehr in die Heimat, das Gerichts- iMUnterrichtswesen wurde verbessert, die Universität Warschau im nationalenSinne reorganisiert, die Ablösung der bäuerlichen Fronden i« Angriff genom-men, in den Städten eine freigewählte Gemeindeverwaltung eingesetzt, eiNslandwirtschaftliche Gesellschaft in Warschau begründet. Aber die Polen konntennicht vergessen, daß sie einst eine selbständige Nation gewesen; die patriotischePartei in der Heimat und in der Fremde, welche den Gedanken einer Wieder-belebung des zerstückelten Nationalkörpers als teuersten Schatz in der Seenbewahrte, mochte den Zeitpunkt für günstig halten, das Verlorne Vaterlandwiederherzustellen. Rußland war durch den Krimkrieg geschwächt, ein mildererGeist der Versöhnung herrschte in Petersburg; sollte Polen nicht erringen,was Italien um dieselbe Zeit errang? Sollte das von Frankreich laut verkün-dete Prinzip der nationalen Selbstbestimmung nicht auch in Warschau znrGeltung gelangen können? Unter der Einwirkung der im Auslande weilendenEmigration bildete sich eine Partei des nationalen Widerstandes, welche, duEGeheimbünde und Verschwörungen über das ganze Land verbreitet, jede Ge-legenheit benutzte, durch Demonstrationen ihre Gesinnung zu bethätigen urndie Zahl der Genossen zu mustern. Es traten mannigfaltige Elemente zutage'Während die ländliche Bevölkerung, dem polnischen Adel mißtrauend nndurch die bitteren Erfahrungen der Vergangenheit belehrt, sich von der ganze"Bewegung fern hielt, zählte die Nationalpartei ihre Stützen und Teilnehmehauptsächlich unter den bürgerlichen Kreisen der alten Städte, besonders deHauptstadt Warschau, unter der gebildeten Jugend, welche in der Wieder^stellung einer idealisierten Vergangenheit, in der Verwirklichung ihrer TräEund Phantasiegebilde das Hell und die Rettung der Nationalität erblickn,unter einer fanatischen Priesterschaft, welche die patriotischen Bestrebungzu religiösen und kirchlichen Zwecken auszubeuten bedacht war; unter der nunvergnügten Judenschaft, welche die von der russischen Regierung noch iinwversagte bürgerliche Gleichstellung zu erringen hoffte; unter der zahlreicheKlasse der Emigranten und ihrer Sendboten, welche den Haß gegen die Unn -drücker der ruhmreichen polnischen „Republik" als heiliges Erbteil in ihrBrust trugen. Daß von einer aus so gemischten Elementen zusammengesetztPartei, die nur durch Schrecken und Agitation zu wirken vermochte, reu