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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
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8- 587. 588.

Die Westmächte und Rußland.

I8KI.

fruchtbringenden Thaten ausgehen konnten, mußte jedem Besonnenen sofortAnleuchten.

§. 587. Die nationale Bewegung. Im Februar 1861 begann dieNationale Partei durch öffentliche Umzüge und patriotische DemonstrationenMe aufregende Thätigkeit zu entfalten. Als das russische Militär dazwischenMt, kam es zu blutigen Auftritten. Die kaiserliche Regierung sprach ihr Be-dauern über die Vorfälle aus und gestattete, daß eine Anzahl angesehener Bür-M alsSicherheits-Komitü" oder Bürgerwehr die Aufrechthaltung deröffent-uchen Ruhe übernahm. Zugleich wurde der Markgraf Wielopolski, einbeachteter polnischer Patriot, der Regierung in Warschau für Kultus und Un-terricht beigegeben, die Einsetzung eines polnischen Staatsrats zugestanden undloinit der Anfang einer staatlichen Neubildung auf nationaler Grundlage ge-macht. Aber die dargebotene Gabe genügte den gesteigerten Ansprüchen nicht«lehr. Die Herstellung der alten polnischen Republik in ihrem ganzen Umfangmit voller nationaler Selbständigkeit war das Ziel der Patrioten. Um-Versammlungen, Demonstrationen durch Absingen einer Nationalhymnedauerten fort; vergebens löste die Regierung die Bürgerwehr und den landwirt-schaftlichen Verein, die Seele der Agitation, auf und verschärfte die Polizei-maßregeln ; die Aufregung steigerte sich zu einem halbrevolutionären Zustand,dnd als im April bei einem neuen Zusammenstoß mit dem Militär vor demschloß eine Anzahl Polen getötet und verwundet wurden, traf der Gouver-MurAnordnungen, ine einem Belagerungszustand nahe kamen; alle nationalenKundgebungen wurden verhindert, unddas Volk in Trauer" durfte seine Ge-Mle nicht durch die Kleidung ausdrücken. Nun flüchtete sich die BewegungM den Straßen und öffentlichen Plätzen in die Kirchen, wo sie an der Geist-«chkeit Unterstützung fand. Trotz des Verbots erschallten in den geheiligtenDaumen national-religiöse Lieder, in denen die Herstellung Polens vom Him-M erfleht ward. Der Tod des alten Fürsten Adam Czartorhski, des Nestors§ ? Hotnischen Patrioten vom Jahre 1831, in Paris wurde zu großen Trauer-Verlichkeiten benutzt. Da verhängte endlich der Statthalter den Kriegszustandüber das ganze Königreich, verbot alle Demonstrationen, vor allem das Ab-mgen der Nationalhymne, und ließ bei einer Todesfeier Kosciuszkos die dicht^füllten Kirchen durch Militärgewalt räumen und den Bistumsverweser nebst5»er Reihe angesehener Männer in Gefangenschaft führen. Noch immer hoffteoer Kaiser, durch Reformen und versöhnende Maßregeln der Bewegung Meister^Werden. Er ernannte seinen Bruder, den Großfürsten Konstantin, zumStatthalter in Polen und stellte ihm Wielopolski als Haupt der Civilverwal-Ag zur Seite. Allein wie sehr auch die neue Regierung bemüht war, durchZweckmäßige Einrichtungen die Gemüter zu beruhigen; die städtische Bevölke-Mg st^d unter dem Einfluß einer geheimen Verschwörung, deren HäupterM ganze Königreich unter das Joch eines revolutionären Terrorismus stellten.

A?s Leben des Großfürsten und des Markgrafen Wielopolski wurde von-Nordanschlägen bedroht.

y». ß. 588. Ausstände in Polen. Nun beschloß die russische Regierung, diesffllitäraushebung, die nach mehrjähriger Unterbrechung für das Jahr«r»3 wieder angeordnet war, als Mittel zur Unterdrückung der Bewegung zuputzen. Es erging der Befehl, daß in der Nacht des 14. Januar in Warschau isLlangen Leute, die im Verdacht standen, der Bewegung Vorschub zu leistenbeschäftigungslos in der Stadt verweilten, ergriffen und ins Militär ab-Duhrt werden sollten. Diese unheimliche Maßregel wurde mit großer Will-Härte in Ausführung gebracht. In der bestimmten Nacht drangenvtdaten in die Häuser ein und schleppten die Opfer gewaltsam fort. Aber der

18. Juli18VI.

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