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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
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z. 592.

Deutschland und die deutschen Großmächte.

die

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furchtbarer Gestalt zutage trat und

n- ----,-ltes die Notwendigkeit zeigte, durch

Gewährung einer Reichsverfassung eine Kontrole und Bürgschaft für die rat-est Finanzlage zu schaffen, da wurde es klar, daß nur eine politische Wieder-ßeburt das Reich vom Abgrunde retten könne. Aber so mächtig waren nochMiner die alten Anschauungen und Vorurteile, daß noch ein ganzes Jähr-et halben Maßregeln und Experimenten vergeudet wurde, ehe man aufrich-ten Herzens in das konstitutionelle Lebm eintrat, ehe man sich entschloß, dastlk zur Teilnahme an dem Staatshaushalt und der Gesetzgebung herbeizu-Men und anstatt des monarchischen Selbstregiments einen parlamentarischen»Rechtsstaat aufzurichten. Erst dem liberalen' Ministerium Schmerling ge-AN es, durch dre Februarverfassung Österreich in die Reihe der konstitutro-Affen Staaten einzuführen. Nach dieser erhielt Ungarn seine frühere Organi-sation, so weit sie sich mit den neuen Verhältnissen vereinigen ließ, zurück^ alleanderen Kronländer sollten für ihre besonderen Anliegen eigene Landtage be-sten, die gemeinsamen Interessen dagegen auf einem zum Teil vom Kaiser,Zum Teil von den Landtagen zu beschickenden Reichsrat verhandelt und er-Wgt werden. Aber es bedurfte der ganzen Energie Schmerlings, um den-widerstand zu besiegen, den die alte Aristokratie der Idee von verfassungs-mäßigen Volksrechten und die nichtdeutschen Stämme einer Gesamtstaatsver-mssung entgegenstellten. Nicht nur in Ungarn, wo man auf ein von den Erb-enden Österreichs völlig getrenntes Staatswesen hinarbeitete, das nur in demgemeinsamen Oberhaupte einen Vereinigungspunkt haben sollte (die sog. Per-lonalunion), erhob sich ein heftiger Widerspruch gegen die Februarverfassung;Aich in Böhmen, Galizien und andern Provinzen trat die nationale ParteiMt mehr oder weniger Heftigkeit dagegen auf, also daß die Wahlen zumAerchsrat nur unvollständig und unter Verwahrungen vorgenommen wurden.^« Ungarn erreichte die nationale Bewegung eine solche Höhe, daß die Ver-waltung und Rechtspflege gänzlich gelähmt wurde, daß Anarchie und Terroris-Aus im Bund einen Zustand herbeiführten, der von Aufruhr und RevolutionMcht weit entfernt war. Um den schwierigen Verhältnissen möglichst gerechtza werden, schuf man endlich eine zwiefache Gesamtrepräsentation in demg^geren und weiteren Reichsrat, also daß jener nur für die deutsch-slavi-'wm Länder der Träger der Reichsidee sein, dieser durch den Beitritt der un-AAschen Vertreter das vollständige Reichsparlament darstellen sollte. AberMit in dieser Form konnte die Reichsverfassung nur sehr unvollkommen zurAnführung kommen. Das ganze Verfaffungswerk wurzelte nur in Deutsch-österreich; die slavische und magyarische Bevölkerung widerstrebte einer Ein-elchtung, welche dem deutschen Element das Übergewicht zu erhalten oder zu^schaffen drohte.

n 8- 592. Preußen. In Preußen begann die Zeit der Reaktion mit der^cschwörung der neuen Verfassungsurkunde durch Friedrich Wilhelm IV. amm. Februar 1850. Aus den Worten und Reden, mit denen der König seinen^ld begleitete, konnte man die Widerwilligkeit seiner innersten Denkweise er-Alnen. Dieser Widerwille gegen eine Staatsordnung, die eine freie, von derMNade Gottes hergeleitete Königsgewalt in gesetzliche Schranken bannte, undAbneigung gegen deren Urheber durchzog dre ganze Regierung Friedrich Wil-Mms IV. Wenn er auch nicht in allem den Eingebungen derkleinen aberAPchtigm Partei" folgte, welche unter der Leitung von Stahl, Gerlach,T^gener und Genossen in ihrem Organ, derNeuen Preußischen Zei-§ - gewöhnlichKreuzzeitung" genannt, das öffentliche Leben in Staat"v Krrche unter die Fittiche einer schroffen Reaktion zu stellen und die Leitung

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