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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
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Neueste Geschichte.

Z. 592-

April

1858 .

der Dinge in die Hände der Feudalen zu bringen bemüht war; so wurde dochso lange geändert, gestrichen und gedeutet, bis das ganze Staatsgrundgesetz zueiner farblosen, matten Rechtsurkunde zusammenschrumpfte, deren verschwom-mene vieldeutige Ausdrücke zu gezwungenen Auslegungen reichen Anhalt boten.Über dem Suchen nach Heilmitteln gegen den „verderblichen Geist des Umstur-zes" wurde der Ausbau der Verfassung gehemmt, wurden die Gesetzesreformender vorhergehenden Jahre außer Wirkung gesetzt, wurden die Organisationender Selbstverwaltung durch Gemeindeor'dnungen, Kreisräte und Provinzrat-vertretungen rückgängig gemacht und die ständischen Privilegien wieder herge-stellt, wurde die Allgewalt des Beamtentums und die hierarchische Macht derKirche auf neuen Grundlagen aufgerichtet. Nur in einer Frage verfolgte Preu-ßen eine glückliche und volkstümliche Politik: in der Erweiterung und Neu-bildung des Zollvereins, welcher trotz der Umtriebe Österreichs und seinerVerbündeten auf weitere zwölf Jahre erneuert wurde. Durch die Friedens-parole des französischen Kaisers beruhigt, schritt die preußische Regierung u^rs dem Ministerium Manteuffel mutig auf der Bahn der Reaktion fort. Wttin Hannover und Mecklenburg trat auch hier die „feudale Partei", der klerMGrundadel, mit dem landläufigen Ausdruck „Junker" bezeichnet, in den Vor-dergrund des politischen Lebens und suchte im Anschluß an den Hof, an denhöheren Offiziersstand und an die Gesinnungsgenossen in den Beamtenkreisendas preußische Staatsleben wieder in den Zustand des alten Absolutismus unodes privilegierten Ständewesens zurückzuführen. Die Rückschrittsbewegungwurde in ihrem Gange nur wenig gehemmt: die Demokratie hielt sich vorn po-litischen Leben fern und die liberal-konstitutionelle Partei suchte durch ver-trauensvolle Gefälligkeit und Hingebung die Nachreden der Gegner Lügen znstrafen. — Bei dem vorwiegenden Einfluß der feudalen Partei auf die preußi-sche Politik war es begreiflich, daß in dem russisch-orientalischen Krieg dasBerliner Kabinet sich zu keinem Bündnis gegen den „Beherrscher aller Ren-ßen" gewinnen ließ. Doch ging auch die romantische Schwärmerei für diralte Waffenbrüderschaft nicht so weit, daß man gemeine Sache mit Rußlapogemacht hätte. Dank dieser „Politik der freien Hand" blieb Preußen ohne Ein-fluß auf den Gang der europäischen Angelegenheiten. Es war nur ein Atthöflicher Rücksicht, daß man die fünfte Großmacht als Mitbürger: der WienerVerträge nachmals zu dem Pariser Friedenskongreß zuließ. — Einige Mo-nate nach Abschluß des Friedens von Paris wurde Preußen durch ein gering-fügiges Ereignis, den royalistischen Aufstand in dem FürstentumNeuenburg in der Schweiz, zu kriegerischen Demonstrationen fortgerissen-Doch gelang es der Vermittelung Napoleons, eine friedliche Ausgleichung her-beizuführen. Die gefangenen Rohalisten wurden in Freiheit gesetzt, wogegenMa> der König von Preußen seinen Rechten auf Neuenburg entsagte. Die Gew-entschädigung wies er freiwillig zurück. Mit dem kleinen Triumph, den heKönig in der Befreiung seiner Anhänger in Wälsch-Neuenburg erblickte,Friedrich Wilhelm IV. von der Schaubühne des politischen Lebens. Der Weder-spruch der Zeitideen mit seinen Vorstellungen vom göttlichen Rechte der Könrg -der in den Jahren 1848 und 1849 so schroff hervorgetreten war, hatte zueriseinen hochfliegcnden Geist geknickt und gelähmt; von der Zeit an hatte M„der nagende Wurm der Zerstörung" in fein Gemütsleben eingenistet und sewHeiterkeit und Lebenslust verkümmert. Wenn er auch die Befriedigung hatt/die Revolution an ihrem eigenen Übermaß scheitern zu sehen; die Wahrneh-mung, daß ihre Prinzipien noch fortlebten, daß sie einst wieder als verzehrenFlamme aus der glühenden Asche hervorlodern könnten, verhüllte den Heros,seines Lebens mit düsteren Nebelbildern. Die Schwächung Rußlands dur -

1857 .