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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
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Geschichtliche Rundschau. 8- 642 ä.

litischen Bedenken gegen den zerstörenden Eingriff in zahlreiche Errverbsintereffen27. MLrz nahezu einstimmig abgelehnt, ebenso ein in den letzten Wochen einer zu Ende eilendenEb- Session dem ermüdeten Reichstag vorgelegter Entwurf, der eine Verbrauchssteuer aufBranntwein einführen wollte. — Am meisten aber versagte sich der Reichstag seinernationalen Aufgabe in der Militärfrage. Wir haben früher (H. 640) erfahren,wie durch das Reichsmilitärgesetz vom 2. Mai 1874 die budgetrechtlichen Ansprücheder Volksvertretung nach alljährlicher und die Forderung der Militärverwaltungnach einer dauernden Feststellung der Friedenspräsenzstärke durch das KompromißF-bru-r einer siebenjährigen Bewilligung in Einklang gebracht wurden. Als die Zeit des Ab-laufs dieser Frist herannahte, brachte die Regierung einen Gesetzentwurf ein, der dieHeeresstärke mit einer der mittlerweile eingetretenen Vermehrung der Bevölkerungentsprechenden Erhöhung abermals für einen siebenjährigen Zeitraum feststellen wollte.Auch die Erneuerung des Septennats wurde gegen heftigen Widerstand des Centrumsund der Fortschrittspartei durchgesetzt. Als nun auch dieser Termin sich seinem Ende1880 . näherte, wiederholte sich derselbe Vorgang, aber, der ungünstigeren ZusammensetzungNEmb-r hes Reichstags zufolge, mit einem andern Schlußergebnis. Die Regierung schlug füreinen abermaligen siebenjährigen Zeitraum eine Feststellung der Heeresstärke mit derErhöhung vor, wie sie der Vermehrung der Bevölkerung entsprach, 468 409 Mannoder 1 Prozent der Bevölkerung nach der letzten Volkszählung, 41 000 Mann mehrals bisher. Die Wirren und Verwickelungen, die kurz zuvor auf der Balkanhalbinselstattgefunden, die immer schärfer hervortretenden Revanchegelüste in Frankreich, dieHetzereien und Feindseligkeiten der panslavistischen Partei in Rußland, die wachsen-den Kriegsrüstungen in diesen beiden Ländern, die steigende Überlegenheit ihrerStreitkräfte im Vergleich zu den deutschen, und die offenkundigen Bestrebungen Frank-reichs, sich mit Rußland zu einem Kriegsbund zu vereinigen, der dem deutschen Reich >einen Feldzug mit zwei Fronten und geteilter Macht auferlegen würde: diese Erschei-nungen und Erwägungen waren in jüngster Zeit so bedrohlich aufgetreten, daß andem hohen Ernst der Situation nicht zu zweifeln war. Die europäische Weltlage warin einem Grad unsicher und gefahrvoll, daß die Vorbereitung auf alle Wendungenzur ersten Pflicht der Selbsterhaltung wurde. Gleichwohl wollten die Ultramontanenund „Deutschfreisinnigen" die verlangte Präsenzziffer herabsetzen, eine Verminderungder thatsächlichen Dienstzeit erzwingen und die Bewilligung nur für drei Jahre aus-sprechen. Die Regierung, unterstützt von den Konservativen und Nationalliberalen,glaubte aber auf der siebenjährigen Bewilligung beharren zu müssen. Durch eine ,Festsetzung auf ganz kurze Frist wäre die Militärfrage unausgesetzt zum Gegenstandder heftigsten parlamentarischen und Wahlkämpfe gemacht, ein wichtiger Teil unsererKriegsbereitschaft in fortwährende Abhängigkeit vom guten Willen der oppositionellenParteien gebracht worden. Es erschien prinzipiell und sachlich von der höchsten Be-deutung, den Bestand und die Organisation des Heeres auf eine einigermaßen längereDauer festzustellen. Unter den heftigsten Redekämpfen, in die auch der Reichskanzlerwiederholt mit seiner wuchtigen Beredsamkeit eingriff, kam die Entscheidung heran-Mit einer geringen ultramontan-deutschfreisinnigen Mehrheit wurde die von der Re- ^gierung geforderte Mannschaftszahl nur mit der Beschränkung auf drei Jahre be-willigt. Da verlas der Reichskanzler die kaiserliche Botschaft, welche den Reichstagauflöste. In der tiefen Bewegung der Nation zeigte es sich alsbald, daß die Oppo-sition die Zeichen der Zeit und die Stimmungen der Volksseele verkannt hatte, daßdas deutsche Volk die Armee in dieser gefahrdrohenden Zeit nicht zum Gegenstandparlamentarischer Machtgelüste und Umtriebe gemacht, in das junge Reich nicht einen21. Febr. zerstörenden Verfassungsstreit hineingetragen sehen wollte. Die neuen WahlenE- sielen sehr zu Ungunsten der Septennatsgegner aus. Namentlich rächte sich an denDeutschfreisinnigen und Socialdemokraten der Widerstand gegen die militärische Siche-rung des Reichs. Sie verloren die Hälfte ihrer Mitglieder, und den Gewinn hatten