11 . 12 .Sevtbr.1877.
22. bis 31Oktober1877.
9. Nov.1877.
10. Dezbr.1877.
13. Dezbr.
S. Jan.1878.
582 Geschichtliche Rundschau. Z. 663-
Schlacht, worin die Russen 8000 Tote und Verwundete auf der Wahlstatt ließen,mußte sich Krüdener zurückziehen. Fortan gewann die bisher fast unbekannte StadtPlewna in dem russisch-türkischen Völkerkrieg eine Bedeutung wie in dem deutsch-französischen Krieg vom Jahr 1870 die Festung Metz. Osman Pascha legte umPlewna einen Ring von Verschanzungen an, der einen Flächenraum von zwei Qua-dratmeilen umschloß, und schuf mittels zahlreicher Batterieen eine uneinnehmbareVerteidigungsstellung. Es begann jetzt ein langwieriger, opferreicher Belagerungs-krieg. Aber trotz der tapfern Gefechte bei der Gribitza-Redoute und der von GeneralSkobelew bewiesenen kriegerischen Tüchtigkeit konnte Plewna lange nicht erobertwerden. Entscheidende Erfolge wurden erst errungen, als der uns schon aus demKrimkrieg als genialer Feldherr bekannte General Tod leben auf dem Kriegsschau-platz eintraf. Als Deutscher durch die Eifersucht der Slaven ferngehalten, war erjetzt, da man tüchtige Männer brauchte, als Rüstzeug ausersehen worden. Ersetztees im Generalstab durch, daß man von dem bisherigen Angriffskrieg zum Belagerungs-krieg überging, daß man, wie einst die Preußen den Marschall Bazaine in Metz, denOberfeldherrn Osman Pascha und seine Armee mit einem ehernen Gürtel umschloß.Dieser Plan kam in den letzten Oktobertagen zur Ausführung. Bald geriet die inPlewna eingeschlossene türkische Armee in eine entsetzliche Lage, namentlich seitdemGeneral Skobelew im Süden der Stadt den „Grünen Hügel" besetzt und den Be-lagerungsring noch fester gezogen hatte. Es schien, als ob sich die Katastrophe vonMetz wiederholen würde. Aber Osman Pascha besaß mehr militärisches Ehrgefühlals Bazaine: als die Lebensmittel und die Munition gänzlich erschöpft waren, Hungerund Krankheit die Reihen der Soldaten alltäglich furchtbar lichtete, da beschloß derkühne General durch einen verzweifelten Ausfall das Schicksal herauszufordern. Wareine Kapitulation unvermeidlich, so sollte sie wenigstens auf dem Schlachtfelde ge-schlossen werden. Und so geschah es. Nach einem furchtbaren Kampfe am Widflußmit den Russen und Rumänen nach Plewna zurückgeworfen, blieb dem wackern Musel-man, nachdem er durch eine Kugel am linken Oberschenkel verwundet worden, nichtsübrig, als sich und seine tapfere Armee auf Gnade und Ungnade zu ergeben. Fastsechs Monate hatte er die offene von ihm in eine Festung umgewandelte Stadt gegendie feindliche Übermacht heldenmütig verteidigt und den Belagerungskrieg von Plewnazu einer der glänzendsten Kriegsthaten erhoben. Mit der Katastrophe von Plewnawar das Schicksal des russisch-türkischen Krieges entschieden, wenn auch die Waffennoch nicht zur Ruhe kamen. In den Weihnachtstagen stiegm die russischen Soldatendes Generals Gurko über den von Eis und Schnee starrenden Etropol-Paß des Balkanin die Ebene von Sofia hinab. Auch die Serben traten wieder in die Kriegsaktionein. Die Türkei lag in den letzten Zügen. Die um dieselbe Zeit erfolgte Eröffnungder zweiten Session des ottomanischen Parlaments in Dolma-Bagdsche war nur eineKundgebung der vollständigen Ratlosigkeit, in der sich die Staatslenker in Stambulbefanden. Ein Rundschreiben an die Großmächte rief die Vermittelung Europas an.
Z. 663. Der Frieden von Sän Stefano und der Berliner Kongreß.Die Russen zögerten nicht, den Sieg von Plewna auszunutzen, um durch Erfolge imFeld auf dem Friedenskongreß, woselbst die europäischen Mächte eine neue Ordnungin den orientalischen Zuständen zu begründen gedachten, mit desto größeren Ansprüchenauftreten zu können. Trotz der Ungunst der Witterung und der Jahreszeit bewältig-ten die auf Sofia losrückenden Garden Skobelews mit leichter Mühe jeden Wider-stand , umzingelten dann die in dem Schipkapaß aufgestellten türkischen Truppen undzwangen sie nach mehrstündigem Kampfe zur Ergebung. 30000 Mann samt demKommandanten gerieten dadurch in russische Kriegsgefangenschaft. Wer sollte denrussischen Heeren den Marsch nach Konstantinopel verlegen? Die Moskowiter ver-kündeten jubelnd, daß der Pariser Frieden vernichtet werden müßte durch einen ande-ren Frieden, den der Zar in Konstantinopel diktieren würde: sie sahen schon im Geiste