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Geschichtsbilder : Hilfsbuch für den ersten Unterricht in der deutschen Geschichte / von Albert Richter
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Edelsteinen besetzten Schuhen einher, den Mantel durch einen goldenenHaken zusammengehalten und auf dem Haupte ein aus Gold undEdelsteinen verfertigtes Diadem.

Einen Bischof schalt der Kaiser einst hart, weil er mit prächtigenKleidern zu prunken suchte, und seinen Hofherren bewies er einst rechteindringlich, wie seine einfachen Kleider doch besser seien, als ihre vor-nehm prunkenden. Er lud sie bei sehr schlechtem Wetter zu einerJagd, und als bei der Rückkehr Samt und Seide an den Kleidernder Hofherren vom Regen verdorben und von den Ästen der Bäumezerrissen waren, zeigte er lachend auf seinen guten Pelz, dem wederRegen noch Äste geschadet hatten.

13. Bei seinem einfachen und müßigen Leben wurde der Kaiseralt und blieb bei guter Gesundheit. Nur in den letzten Jähren seinesLebens Plagte ihn oft heftiges Gliederreißen, und das war wohl eineFolge der großen Anstrengungen und Entbehrungen, die der Kaiser inseinen Kriegen sich auferlegt hatte. Wohl war sein Körper durchReiten, Jagen und Schwimmen abgehärtet, aber die Folgen derMärsche in Wind und Wetter, der Nachtlager unter freiem Himmelmachten sich im Alter doch geltend.

Schon früher hatte er zur Wiedererlangung seiner Kräfte undseiner vollen Gesundheit gern die Bäder in den warmen Quellen zuAachen aufgesucht. In den letzten Lebensjahren weilte er dieser Bäderwegen meist zu Aachen. Unter allen seinen Pfalzen, die er in denverschiedensten Gegenden des Reiches besaß, war ihm diese die liebste.Hier hatte er sich eine prächtige Wohnung erbaut, aber auch demDienste Gottes einen herrlichen Dom gegründet. In Aachen ist KaiserKarl auch begraben worden, als er 814 in einem Alter von 72 Jahrengestorben war.In deine Hände befehle ich meinen Geist", warenseine letzten Worte gewesen. Man begrub ihn im kaiserlichen Schmuckeund in aufrechter Stellung auf einem goldenen Stuhle sitzend in derKirche. Auf den Knieen aber lag dem toten Kaiser ein Schwert undein Evangelien buch : ein Schwert, weil der tapfere Mann mit desSchwertes Schärfe die Grenze des Frankenreiches geschützt und erweiterthatte; ein Evangelienbuch, weil der fromme Mann die Ausbreitungdes Evangeliums unter den Heiden und die Predigt desselben unterseinem Volke sich vor allem hatte angelegen sein lassen.

4. Heinrich I.

1. Nach Karls des Großen Tode regierte sein Sohn Ludwig derFromme, der das große Frankenreich unter seine drei Söhne teilte.Einer, Ludwig, erhielt die Länder, die man jetzt Deutschland nennt,und mau nannte ihn daher Ludwig den Deutschen. Unter seinenNachkommen, die man nach ihrem berühmtesten Vorfahren Karolinger