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Da lagen denn nun vor den Thoren der Stadt oft ganze Scharenarmer Pilger, die kein Geld besaßen, solche Steuern zn bezahlen, dieauf ihrer langen Wallfahrt nur von der Mildthätigkeit frommerChristen erhalten worden waren; denn wer einem Pilger, der nachdem heiligen Grabe zog, Herberge und Nahrung gewährte, der hattenach der Meinung der Frommen jener Zeit auch Teil an dem Segen,den eine solche Wallfahrt der Seele brachte.
Welche Freude dann für die vor den Thoren Jerusalems warten-den Pilger, wenn der Zug eines mächtigen, reichen Fürsten nahte, dersich, begleitet von zahlreichen Freunden und Dienern, auch zur Fahrtnach dem heiligen Lande aufgemacht hatte. Da war Hoffnung, daßder Fürst und seine reichen Geführten für die armen Pilger bezahlten,ihnen so den Besuch der heiligen Stätten ermöglichten und durch solchfrommes Werk zugleich ihr eigenes Seelenheil förderten.
3. Durch die zurückkehrenden Pilger erfuhr man im Abendland«:von den Bedrückungen, denen die Christen im heiligen Lande ausgesetztwaren, und von den Schandthaten der Türken, die z. B. einmal einenchristlichen Geistlichen an den Haaren vom Altar weggezerrt hatten.Da lebte in aller Herzen der Wunsch, daß es gelingen möchte, denTürken das heilige Land wieder zu entreißen. Auch der damaligePapst teilte diesen Wunsch, und er hielt zwei große Versammlungen,die eine in Italien und die andere in Frankreich, wo er die Erschienenenzum Kampfe gegen die Türken aufforderte. Auf der zweiten Ver-sammlung, zu welcher so viel Menschen erschienen waren, daß keinHaus sie hätte fassen können, und die daher im Freien abgehaltenwerden mußte, sprach der Papst: „Wehe uns, daß wir still sitzen undruhig zuschauen den Missethaten und der Schmach der Stadt Gottes!Darum auf, meine Geliebten, und waffnet euch! Ein jeglicher um-gürte seine Lenden mit dem Schwerte, zu helfen unseren Vrüdern;denn besser ist es, zu sterben im Kampfe für unseren Glauben, alslänger den Greuel zu dulden. Im Namen des barmherzigen Gottesverkündigen wir allen, welche die Waffen wider die Ungläubigen er-greifen, vollkommenen Ablaß ihrer Sünden, und denen, die in demheiligen Streite fallen werden, verheißen wir den Lohn des ewigen Lebens."
Unbeschreiblich groß war die Wirkung dieser Worte auf die ver-sammelte Menge. Alles war von Begeisterung und von heiligem Eifererfüllt. Ein frommer Bischof siel vor dem Papste auf seine Knieenieder und erbot sich zur Teilnahme an dem Kriegszuge wider dieTürken. Seinem Beispiele folgten viele andere; „Gott will es!Gott will es!" war der allgemeine Ruf, und allen ward zum Zei-chen, daß sie an dem Zuge teilnehmen wollten, ein Kreuz aus rotemTuche auf die Schulter geheftet.
4. Als die, welche in der Versammlung gewesen waren, in ihreHeimat zurückkehrten und mit Begeisterung erzählten, was sie gehörtund erlebt hatten, da wurden noch gar viele so begeistert, daß sie auch