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zu versöhnen. Im Jcinuar des Jahres 1546 reiste er dahin. BonHalle aus, wo er wegen des in der Saale treibenden Eises etliche Tagewarten mußte, begleitete ihn sein alter Freund Justus Jonas, der jetztin Halle Pfarrer war.
Luther fühlte sich schon auf der Reise sehr unwohl. In Eislebennahm er aber trotzdem an den Verhandlungen thätigen Anteil, auchpredigte er daselbst viermal. Seine letzte Predigt schloß er freilichmit den Worten: „Viel mehr Ware von diesem Evangelio weiter zusagen, aber ich bin zu schwach, wir wollen's hierbei lassen." SeinerGattin, die um ihn sehr besorgt war, schrieb er mehrere tröstende Briefe,,ja er scherzte sogar über ihre Sorgen und mahnte sie, nur den liebenGott sorgen zu lassen
Die Unterhandlungen über den Streitfall der Grasen waren endlicheinem glücklichen Abschlüsse nahe. Da schrieb Luther an seine Gattin:„Wir hoffen, diese Woche wieder heimzukommen, so Gott will." AberGott hatte beschlossen, ihn zur himmlischen Heimat zu führen. Am17. Februar baten ihn die Grafen, seiner Schwäche wegen nicht anden Verhandlungen teilzunehmen, und er selbst sprach voll Todesahnungzu seinen Freunden: „Ich bin hier zu Eisleben geboren und getauft;ivie, wenn ich hier bleiben sollte?" Er nahm von den Heiltrünkeuund Stürkküchlein ein, die ihm die sorgende Gattin nachgesendet hatte;am Abend aber setzten ihm Brustschmerzen heftig zu. Er bat, ihn mitheißen Tüchern zu reiben, wie es daheim seine Gattin oft gethan habe,und danach spürte er Erleichterung. Zwei herbeigerufene Ärzte, zahl-reiche Freunde und auch der Graf Albrecht von Mausfcld und dessenGattin waren um die Pflege des Kranken eifrig bemüht. Als schonder Todesschweiß auf die Stirne trat, begann er laut Gott zu danken,der seinen Sohn ihm geoffenbart habe, den er bekannt und geliebt.Dann sprach er den Spruch: „Also hat Gott die Welt geliebt" undandere biblische Worte, zuletzt: „Vater, in deine Hände befehle ichmeinen Geist." Dann ward er ganz still. Da trat Justus Jonasnoch einmal heran und fragte ihn: „Ehrwürdiger Vater, wollet ihrauf Christum und die Lehre, wie ihr sie gepredigt, beständig bleiben?"und Luther antwortete ein lautes, vernehmliches „Ja". Dann wandteer sich auf die rechte Seite und schlief ein. Nach und nach erkalteteder Körper, er holte noch einmal tief Atem und war entschlafen. Eswar zwischen 2 und 3 Uhr in der Frühe des 18. Februar 1546 .
Der Kurfürst, dem man von dem Tode des teuren Mannes sofortNachricht gab, befahl, daß die irdischen Überreste in Wittenbcrg zurErde bestattet werden sollten. Das war ein stattlicher Trnuerzug vonEisleben bis Wittenberg. In allen Orten, durch die der Lcichenzugging, wurde mit den Glocken geläutet, Geistliche und Lehrer gingenmit der Schuljugend und unter großem Geleit der Erwachsenen demZuge bis zur Grenze des Ortsbezirks entgegen und begleiteten ihn unterThränen und unter Absingung Lutherscher Lieder bis zur andern Grenze,