A. Geschichte des Altertums.
(Bis 476 nach Christo.)
I. Die Griechen.
§ 1. Die Griechen und ihr Land.
1. Blick auf das Morgenland. — Vor Zeitenhot die Welt ein ganz anderes Bild dar als jetzt. Wo sichheute volkreiche Städte erheben und die Felder mit denmannigfachen Erzeugnissen des Ackerbaues prangen, dadehnten sich einst unermeßliche Wälder, Sümpfe undSteppen. Wo heute der friedliche Bürger unter dem Schutzder Gesetze sich ungestört seiner Arbeit hingibt und sichdes Ertrages derselben freut, da lauerte einst der scheueWilde mit Pfeil und Bogen auf seinen Nachbar, um ihnzu berauben und zu töten. Der Gebrauch des Feuers, dieViehzucht, der Ackerbau, die Schrift, kurz alle die zahl-losen Fertigkeiten, Erfindungen und Künste, ohne die wiruns das Leben gar nicht mehr denken können, waren ein-mal unbekannt. Nur allmählich ist die Menschheit, ameinen Orte früher, am andern später, dem Zustande derWildheit entwachsen; von Stufe zu Stufe hat sie sich zuder Gesittung emporarbeiten müssen, deren Segnungenwir heute genießen. Die Wiege der menschlichen Bildungist im Morgenland zu suchen. Während die Bewohnerunseres Erdteils noch als AVilde in ihren Wäldern hausten,lebten im Osten des Mittelmeeres, in Asien und im nord-östlichen Afrika Völker, die es schon verstanden, denLauf der Flüsse zu regeln, durch künstliche BewässerungWüsten in fruchtbare Gefilde umzuwandeln, die Handelund Schiffahrt trieben, Künste und Wissenschaften pfleg-ten und mächtige, ausgedehnte Staaten bildeten. DasReich Ägypten am unteren Lauf des Nil ist das älteste,
Oechsli, Allgemeine Geschichte.
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