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Allgemeine Geschichte für Sekundar-, Real- und Mittelschulen / Wilhelm Oechsli
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Homers wußten die Griechen selber nichts bestimmtes;nicht einmal seine Heimat vermochten sie mit Sicherheitanzugeben. Aber die beiden ihm zugeschriebenen Gedichtesind ein wundersames Denkmal aus der griechischen Ur-zeit. Noch heute freuen sich die Gebildeten aller Länderan ihrer unvergänglichen Schönheit und Frische. Für dieGriechen aber waren sie gleichsam die Bibel, das Lieb-lingsbuch, aus dem die Jugend unterrichtet wurde und andem sich das Alter erbaute. Alles, was die Brust desGriechen bewegte, die Götter, zu denen er betete, die Hel-den, die er als Vorbilder der Tapferkeit ehrte, wunderbareAbenteuer, märchenhafte Fahrten, die seinen Geist er-götzten, fand er in seinem Homer.

3. Der trojanische Krieg. Einst, so lautetdie Sage, kam Paris, ein Sohn des Priamos, des greisenKönigs von Troja in Kleinasien, zu Menelaos, demKönig von Sparta im Peloponnes, auf Besuch. Ihm gelanges, die Gemahlin des Menelaos, die schöne Helena, sozu berücken, daß sie mit ihm entfloh. Um den Schimpfzu rächen, forderte Menelaos die ihm befreundeten Königeund Helden in ganz Griechenland auf, mit ihm gegenTroja zu ziehen, und alle sagten ihm zu, so sein BruderAgamemno n, der mächtigste Herrscher in Griechen-land, der greise Nestor, der kluge Odysseus, undviele andere, namentlich auch der Held Achilles, derobwohl noch jung an Jahren, an Kraft und kriegerischemUngestüm alle andern weit überragte. Auf unzähligenSchiffen verließen sie die Heimat und landeten in Troja,dem Lande südlich von Hellespont, der Meerenge, dieEuropa von Asien trennt. Aber der Feind war zahlreichund tapfer und seine Hauptstadt 11 i o n stark befestigtmit Mauern und Türmen. Auch den Trojanern warenBundesgenossen aus ganz Kleinasien und weiterher zuHilfe geeilt, und an dem edlen H e lc t o r, dem tapferstenunter den Söhnen des Priamos, besaßen sie einen Führer,der keinem griechischen Helden nachstand. So erhobsich ein hartnäckiger Krieg; neun Jahre lang tobte der