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Allgemeine Geschichte für Sekundar-, Real- und Mittelschulen / Wilhelm Oechsli
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Dreifuß über der Erdspalte. Umstehende Priester fingendie Laute auf, die sie in der Verwirrung ausstieß, undsuchten daraus die Antwort des Gottes zu deuten, die siegewöhnlich in doppelsinnigen Sprüchen verkündigten.Eine solche Weissagestätte nannten die Alten ein Ora-kel, und das Ansehen desjenigen zu Delphi war so groß,daß von nah und fern, von Privatleuten und Regierungenzahllose Anfragen an den Gott ergingen und die kost-barsten Geschenke sich im Tempel anhäuften. Der Ein-fluß des Orakels war oft sehr wohltätig. Es suchte dieSchrecken des Krieges zu mildern, indem es den Griechengebot, keine ihrer Städte zu zerstören und keiner dasTrinkwasser abzuschneiden. Wenn Gemeinwesen anschweren Schäden krankten, so befahl es etwa einem Bür-ger, bessere Gesetze zu geben, und machte diese durchseine Zustimmung dem Volke heilig und ehrwürdig. An-derseits wurde es freilich auch die Ursache derheiligenKriege, die den Untergang der Freiheit Griechenlandsherbeiführten.

3. Die olympischen Spiele. Eine andere re-ligiöse Einrichtung, welche die Griechen verband, warendie gemeinsamen Wettkämpfe, die sie zu gewissen Zeitenzu Ehren ihrer Götter veranstalteten. Die berühmtestenwurden alle vier Jahre im Hochsommer zu Olympia,im westlichen Peloponnes, zu Ehren des Zeus gefeiert.Kam die Zeit des großen Festes, so waltete Gottesfriedem Sanz Hellas. Von allen Staaten, auch von den Kolonienjenseits des Meeres, kamen Festgesandtschaften mitOpfertieren nach Olympia und lagerten unter Zelten oderunter freiem Himmel. Denn Olympia war keine Stadt.Nui die Priester mit ihren Dienern hatten dort ständigeWohnungen neben dem Heiligtum. Dieses bestand auseinem Hain von Platanen und ölbäumen, der sich imLaufe der Zeit mit Tempeln, Altären, Bildsäulen und an-deren herrlichen Kunstdenkmälern erfüllte. Da erhob sichals schönster Schmuck der prächtige Marmortempel desZeus, der das erhabenste aller Kunstwerke umschloß, das