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schwoll und mit Stockschlägen, Fußtritten, Fauststößenund Spießrutenlaufen zu wunderbarer Fertigkeit abge-richtet wurde. Sein größter Stolz war ein Leibregimentvon lauter Riesen, die er aus ganz Europa zusanimenwerbenund stehlen ließ. Kein hochgewachsener Mensch, ob Stu-dent, ob Bauernbursche, war vor den Listen seiner Wer-ber sicher. La er trotz dieser gewaltigen Rüstung be-ständig im Frieden lebte, spottete man an den übrigenHöfen über die Soldatenliebhaberei des Preußenkönigs.Man ahnte nicht, welch furchtbares Werkzeug er daeinem Großem als er zubereitete.
3. Friedrich der Große als Kronprinz. —Las war sein Sohn, F r i e d r i e li II., der Große. Lieseiberühmteste aller preußischen Herrscher hatte eine Ju-gend durchzumachen, um die ihn kein Taglöhnerkind be-neidet hätte. Der Vater trachtete aus ihm vor allem einenSoldaten zu machen und zwang ihn, von früher Jugendauf mit Flinte und Patrontasche zu exerzieren, Seliild-wache zu stehen u. s. w., während er ihm nur die not-dürftigste Bildung zukommen lassen wollte. Allein seinErzieher, ein feingebildeter Franzose, weckte in dem be-gabten Jünglinge Lust und Liebe zu geistiger Beschäfti-gung. Friedrich konnte seinen Überdruß an der einför-migen Soldatenspielerei nicht verbergen, las hinter demRücken des Vaters französische Bücher, trieb Flötenspielu. drgl. Der König begann deshalb den Kronprinzen alseinen Bücherwurm zu verachten und wollte ihn zwingen,zugunsten seines jüngeren Bruders dem Thron zu entsagen. Als sich Friedrich weigerte, mißhandelte er ihnbei jeder Gelegenheit, sogar in Gegenwart Fremder, mitStock und Faust und fügte noch den Hohn hinzu, wenner so behandelt worden wäre, hätte er sich längst tot-geschossen; aber Friedrich habe keine Ehre im Leibe undlasse sich alles gefallen. Zuletzt suchte sich der Prinzdieser Tyrannei durch Flucht nach England zu entziehen.Der Plan wurde jedoch verraten. Ler König geriet außersich vor Zorn; wenig fehlte, daß er den Sohn mit eigener