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ebensoviel unabhängige Republiken geworden. Nochwährend des Krieges hatten sie sich neue Verfassungengegeben. Die meisten brauchten indes nicht viel zu än-dern. Die Behörden und Beamten, die früher vom Königernannt worden waren, wurden jetzt vom Volke oderseinen Abgeordneten gewählt. Aber die 13 Republiken er-kannten wohl, daß jede für sich allein zu schwach war,die so schwer errungene Freiheit zu behaupten. Schonwährend des Krieges hatten sie einen Bund unter sichgeschlossen; aber dieser war so lose und die Bundes-behörde, der Kongreß, so machtlos, daß schon im Kriegdie schlimmsten Folgen davon zutage getreten waren. Alsder Kampf zu Ende war, machten sich die Mängel undSchwächen der Bundesverfassung erst recht fühlbar. Aneinem einzigen Manne hing es und es war um die repu-blikanische Freiheit geschehen. Die Soldaten, die zumTeil seit sieben Jahren dem Vaterlande Gut und Blut ge-opfert hatten, sahen sich bedroht, als Bettler entlassenzu werden. In ihrer Erbitterung forderten sie ihren Ge-neral auf, sich mit ihrer Hilfe zum Monarchen aufzu-werfen. Aber Washington war nicht nur ein großer Feld-herr, er war auch ein guter Bürger und wies die Zumutungmit Entrüstung von sich. Nachdem er erwirkt hatte, daßden gerechten Ansprüchen seiner Waffengefährten Genügegeleistet wurde, legte er seine Gewalt nieder und zog sich,den alten römischen Feldherren gleich, als einfacherPflanzer auf sein Landgut zurück. Doch war er mitseinen Freunden unermüdlich tätig, um das amerikanischeVolk von der Notwendigkeit einer bessern Verfassung,einer stärkern Bundesgewalt zu überzeugen, und nichtvergeblich. Die 13 Kolonien wählten einen Konvent1787 (Verfassungsrat), der 1787 zu Philadelphia zusammentrat,um eine neue Verfassung zu schaffen. Es galt, eine Staats-form zu finden, die den Bund selbständig und starkmachte und doch den einzelnen Staaten noch Raum zumLeben ließ. Der Konvent, der die besten Männer Ameri-kas in sich schloß und von der Weisheit Washingtons