art, daß er der öffentlichen Meinung etwas nachgab undgemäßigtere Männer zu Ministern erhob.
2. Die Juliwoche in Paris (26.—31. Juli 1830).
— Bald gereute ihn jedoch diese Nachgiebigkeit. Unternichtigen Vorwänden entließ er jene Minister wieder undberief den Pürsten Polignac, der 1814 den Eid auf dieVerfassung geweigert hatte, weil er die darin verkündeteReligionsfreiheit mit seinen Grundsätzen für unvereinbarhielt, nebst ähnlich gesinnten Männern zur Regierung.
Die Kammer und mit ihr das ganze Land geriet darob indie äußerste Aufregung. Als 221 Abgeordnete, welchedie liberale Mehrheit bildeten, dem König in einer Zu-schrift über das Geschehene Vorstellungen machten, lösteer die Kammer auf und ordnete Neuwahlen an. Inzwischenhoffte Polignac das Land durch einen Eroberungszuggegen den Seeräuberstaat Algier für sich zu gewinnen. 1830Die Stadt Algier wurde glücklich erobert, aber auch die221 sämtlich wieder gewählt und noch mehr Freisinnigedazu. Da erschienen Montags den 26. Juli 1830 in der amt- 26. Juliliehen Zeitung eine Reihe königlicher Verordnunge n, 1830durch welche die Preßfreiheit unterdrückt, die neue Kam-mer noch vor ihrem Zusammentritt aufgelöst und dasWahlgesetz vom König willkürlich abgeändert wurde.
Es war dies ein offenbarer Verfassungsbruch vonseiten des Monarchen, da nicht er, sondern nur das Par-lament das Recht hatte, Gesetze zu ändern. Schon amnächsten Tage erhob sich das Pariser Volk zum Kampffür die Verfassung, wie einst zum Bastillensturm. DurchBarrikaden wandelte es die Straßen und Gassen in Fe-stungen um, und in dreitägigem Kampfe zwang es dieköniglichen Garden und Schweizerbataillone, die Stadtzu räumen. Die Nationalgarde wurde wieder errichtetund Lafayette zu ihrem Befehlshaber ernannt. Keineweitern Unordnungen, keine Grausamkeiten beflecktendiesmal die reine Sache des Volkes. Aber überall ertönteder Ruf: „Keine Bourbonen mehr!“ und die Anführer dersiegreichen Menge bestürmten Lafayette, er möge die