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Allgemeine Geschichte für Sekundar-, Real- und Mittelschulen / Wilhelm Oechsli
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Republik ausrufen. Allein die liberalen Abgeordneten, diesieh inzwischen in der Hauptstadt versammelt hatten,wünschten, ohne Zweifel mehr im Einklang mit der da-maligen Stimmung des Landes, die Erhaltung der Monar-chie mit einem freisinnigen König an der Spitze, und sieglaubten diesen in Louis P h i 1 i p p, dem Herzog vonOrleans, einem Verwandten des Königs, gefunden zuhaben. Dieser Zwiespalt drohte Frankreich in unabseh-bare Wirren zu stürzen. Da lud Lafayette, obwohl imHerzen selber Republikaner, den Herzog zu sich auf dasStadthaus, den Herd der Revolution, und umarmte ihndort vor allem Volke. Sein Beispiel bewirkte, daß dieMenge Louis Philipp als ihren künftigen Herrscher mitHochrufen begrüßte. So wurde er einige Tage später vonden Kammern wirklich zum K ö n i g der F r a n z o s e ngewählt. Karl X. aber, dem weiter kein Leides geschah,sah, daß alles für ihn verloren sei, und schiffte' sich mitseiner Familie nach England ein.

3. Lostrennung Belgiens von Holla n d(183031). Die Julirevolution mit ihrem reinen und er-folgreichen Verlaufe machte einen unbeschreiblichen Ein-druck auf die unterdrückten Völker und reizte sie zurNachahmung. Schon längst herrschte unter den Bel-giern große Unzufriedenheit über ihre Vereinigung mitH o 11 a n d. Durch zweihundert.jührige Feindschaft, durchReligion, Sitte und Sprache von den Holländern innerlichgetrennt, waren sie durch den bloßen Maehtspruch desWiener Kongresses an diese gekettet worden, und zwarin einer für sie demütigenden Weise. Obgleich doppelt sostark an Zahl, durften sie nicht mehr Vertreter in dasgemeinsame Parlament, das dem König zur Seite stand,senden, als die Holländer. Statt diese Ungerechtigkeitirgendwie zu mildern, ernannte König Wilhelm I. fastausschließlich Holländer zu Beamten und Offizieren underklärte das Holländische zur Amtssprache des ganzenReichs. Alle Beschwerden der Belgier wurden schroff ab-gewiesen und selbst die Preßfreiheit unterdrückt. Da