sollten. Wo große Völker durch eine traurige Vergangen-heit in viele kleine, ohnmächtige Staaten nnd Stätclienzersplittert waren, wie in lleutschla nd und 11 al i e u,da drängte es die Herzen, die künstlichen Schrankenniederzuhreclien und ein einiges, die ganze Nation um-fassendes Staatswesen zu errichten. Und wo Völker vonganz verschiedener Sprache, Sitte nnd Abstammung durchbloßen Zufall oder gar durch rohe Gewalt aneinander-gekettet waren, da suchten sie nach dem Beispiele Bel-giens ihr selbständiges Dasein, ihre Eigenart zu retten;so die Ungarn und Slawen in Österreich. Frei-heit und Einheit wurde in Italien und Deutschland,Freiheit und nationale Selbständigkeitaber in Österreich das Ziel, dem die Völker zustrebten.
5. Frankreich unter Louis Philipp (1830bis 1848). — Auch Frankreich war indes weit davonentfernt, mit der Vertreibung der Bourbonen den innernFrieden zu finden. Statt, wie Lafayette gehofft und ge-raten hatte, seinen Thron auf das Volk zu stützen, glaubteder „Bürgerkönig“ Louis Philipp sich sicher genug,wenn er die Reichen im Lande für sich hatte. So bliebz. B. die sogenannte Volksvertretung nach wie vor einearistokratische Körperschaft, indem von acht MillionenBürgern noch immer bloß die 200,000 Höchstbesteuertendas Recht, zu wählen, und von diesen wiederum nur die24,000 Reichsten das Recht, gewählt zu werden, besaßen.Deshalb fingen die französischen Republikaner an,die Monarchie wieder mit Wort und Tat zu befehden.Ihren Bestrebungen kam die gärende Unzufriedenheitder Handarbeiter in den großen Städten entgegen. Durchdie Erfindung zahlloser Maschinen nahmen Handel undIndustrie eine immer größere Ausdehnung an und den Völ-kern wurden dadurch ganz neue Nahrungsquellen geschaf-fen, so daß sich z. B. die Seelenzahl Englands binneneines halben Jahrhunderts verdoppeln, diejenige Frank-reichs sich um ein Drittel vermehren konnte. Aber wennaus irgend einem Grunde Stockungen des Weltverkehrs,